Lend: »Spürbare Lebensfreude«

Die KPÖ hat bei den Bezirksratswahlen 2021 in Lend das beste Ergebnis eingefahren und gewann sieben von 19 Mandaten. Das Grazer Stadtblatt spricht mit dem neuen Bezirksvorsteher Christian Carli über Soziale Schwerpunkte, Skater und warum eine Alkoholverbotszone für den Bezirk keine Lösung ist.

 

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In seiner fünften Bezirksrat Periode ist der 44-jährige TU-Graz-Arichvar Christian Carli nun zum Bezirksvorsteher von Lend gewählt worden. Neben einer Aufwertung der Nachbarschafts- und Stadtteilzentren, setzt er sich für mehr Grünraum und gegen eine Alkoholverbotszone zwischen Südtiroler- und Lendplatz ein. Privat ist Carli leidenschaftlicher Darts-Spieler und auch im Schachverein aktiv. (Foto: KPÖ Graz)

Was ist Ihr Lieblingsplatz im Lend?

Christian Carli: Der Lendplatz. Dort gibt es ein buntes, reges Treiben wo alle möglichen Gesellschaftsschichten vertreten sind. Die Marktstandl und die Gastro haben ein eigenes Flair. Man kann hier gut mit Freunden fortgehen und auch die Gegend rund um den Lendplatz gefällt mir sehr gut. Der Platz ist auch ein gutes Beispiel für die Veränderungen im Bezirk, die im Kulturhauptstadtjahr 2003 begonnen haben. Da sind die Murinsel und das Kunsthaus eröffnet worden und das war der Startschuss für viele Neuerungen die diesen Teil des Bezirks betreffen. Mit allen Vor- und Nachteilen.


Welche Nachteile gibt es denn?

Carli: Probleme haben vor allem die Alt-Eingesessenen. Die Mieten sind extrem teuer geworden, weil es einfach hip geworden ist, dort zu wohnen und das hat zur Folge, dass das ursprüngliche Klientel dort quasi nicht mehr vertreten ist. Ein riesiges Problem ist auch die Lärmbelästigung. Am und um den Mariahilferplatz finden regelmäßig Veranstaltungen statt –  Lendwirbel, Jazzfest, die Glühweinstandl zu Weihnachten – das sorgt auch immer wieder für Beschwerden von Anrainern. Es gab zwar schon Kompromisslösungen, dass man zum Beispiel um 22 Uhr aufhört, aber vor allem im Sommer bleibt es weiter laut, weil die Leute halt gerne nachfeiern. Da muss dann aber die Polizei einschreiten.
Was absolut keine Lösung ist, und das war bei uns lange Thema im Bezirksrat, ist die Einführung von einem Alkoholverbot am Südtiroler-, Mariahilfer- und Lendplatz. Da ging es vor Allem um Obdachlose, die dem Alkohol sehr zugeneigt waren, und dann auch ihr Geschäft bei der Kirche verrichtet haben. Aber ein Verbot würde das Problem nicht lösen, sondern einfach nur verlagern, darum hat sich die KPÖ vehement dagegen eingesetzt. Wir brauchen mehr Sozialarbeit und Unterstützung für diese Personen und kein Wegschieben auf einen anderen Platz, weil sonst haben wir bald in ganz Graz eine Alkoholverbotszone.
 

Stichwort Soziales: Eines Ihrer Anliegen ist es, beim Bezirksbudget umzuschichten und mehr soziale Akzente zu setzen. Was schwebt Ihnen da vor?

Carli: Ein großer Wunsch von mir wäre es, dass die Nachbarschafts- und Stadtteilzentren ihre Anträge und Anliegen wieder im Bezirksrat einbringen können und der Bezirksrat entscheidet dann entweder Ja oder Nein. Die ÖVP/FPÖ Koalition hat gleich zu Beginn ihrer Legislaturperiode eingeführt, dass der Bezirksrat nur mehr eine Empfehlung abgegeben konnte, die Entscheidung lag dann aber beim Wohnungsamt – das hat massive Kürzungen zur Folge gehabt, und die Stadtteil- und Nachbarschaftszentren wurden extrem ausgeblutet. Das müssen wir wieder rückgängig machen, damit wir Fördergelder wieder direkt ausschütten können, weil dort eine wirklich wertvolle soziale Arbeit geleistet wird.
Ein weiteres Anliegen von mir ist, dass in Zukunft nicht nur die ganz großen Veranstaltungen am Mariahilferplatz subventioniert werden, sondern dass auch mehr soziale Vereine und Künstler im Bezirk, die noch keinen großen Namen haben, finanziell unterstützt werden. Ich möchte das Geld in die alternative Szene umschichten und nicht nur die Großen unterstützen.

 

Welche Themen muss man im Bezirk sonst noch dringend angehen?

Carli: Wir müssen die Skater-Problematik am Lendplatz lösen. Die ÖVP-FPÖ-Regierung hat bekanntlich das Trickverbot eingeführt, wo man sich strafbar macht, sobald die vier Räder den Boden verlassen. Ich verstehe sowohl die Skater, die ihren Platz brauchen, aber auch die Anrainer, weil wenn da im Sommer bis in die Morgenstunden gefahren wird, kann man durch die Lärmentwicklung einfach nicht mehr schlafen. Ich hoffe, dass da bald ein Ort für die Skater gefunden wird, der auch ihren Wünschen und Bedürfnissen entspricht. Ob sich da im Lend oder woanders etwas findet wird man sehen. Es braucht aber eine Lösung, mit der sowohl die Skater als auch die Anrainer zufrieden sind.
Abseits davon brauchen wir im Bezirk auch mehr Grünflächen denn der Lend ist extrem zubetoniert. Wir benötigen aber auch mehr Radwege, da gibt’s noch viel Luft nach oben – etwa in der Keplerstraße. Wo es möglich ist, brauchen wir mehr Wohnstraßen, damit Kinder auch in ihrem Umfeld spielen können und sich alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt gegenüberstehen.

 

Was macht Ihren Bezirk einzigartig?

Carli: Ich liebe den Bezirk Lend und könnte mir gar nicht vorstellen, woanders zu wohnen. Früher hatte er den Ruf eines Scherbenviertels, ein klassischer Arbeiterbezirk – das trifft heute in der Form nicht mehr zu. Der Lend zeichnet sich durch Multikulturalität und viel Offenheit und gelebte Toleranz aus. Und das trotz aller Probleme die wir haben. Lend ist ja noch immer einer der ärmsten Bezirke in ganz Graz. Armut alleine heißt nicht, dass man keine Lebensfreude hat und diese Lebensfreude spürt man im Bezirk ganz stark.

 

Welches Ziel haben Sie sich für die nächsten fünf Jahre gesteckt?

Carli: Was mich sehr gefreut hat war, dass ich bei der Bezirksvorsteherwahl völlig überraschend von allen Fraktionen außer den NEOS gewählt worden bin – sogar von den Freiheitlichen! Und ich finde das ist ein riesiger Vertrauensvorschuss und ein guter Start für gemeinsame Projekte. Ich wünsche mir für die nächsten Jahre viele einstimmige Beschlüsse ohne große Streitereien – das würde ein gutes Bild abgeben. 


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Veröffentlicht: 10. Februar 2022