Ärztenotdienst umbauen statt kaputtsparen!

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Die von ÖVP-Landesrätin Bogner-Strauß angedachten Einschränkungen des Ärztenotdienstes stoßen beim Grazer Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ) auf vehemente Ablehnung. (Foto: Simon Gostentschnigg)

Ausgerechnet auf dem gegenwärtigen Allzeit-Höhepunkt der Covid-Pandemie konterkariert ÖVP-Gesundheitslandesrätin Bogner-Strauß erneut die seit vielen Monaten laufenden Gespräche zwischen der Ärztekammer, der Stadt Graz, der ÖGK und Vertreter:innen des Landes Steiermark über eine Reform des Ärztenotdienstes. Ihr Justament-Standpunkt eines angeblich geringen Bedarfs droht nun zu massiven Verschlechterungen der Gesundheitsversorgung für die Grazer Bevölkerung zu führen. Vor diesem Hintergrund ist vielmehr die Herangehensweise der Gesundheitshotline 1450 zu hinterfragen, die für die Zuweisungen an den Ärztenotdienst zuständig ist.

Das Land Steiermark macht mit der heutigen Pressemeldung neuerlich von den bislang auf wechselseitigem Respekt fußenden Gesprächen wesentliche Änderungen des Ärztenotdienstes ohne Absprache einseitig öffentlich. So soll der vom Land Steiermark und der Stadt Graz mitfinanzierte Funkärztliche Bereitschaftsdienst nur noch bis 23:00 garantiert sein, statt wie bisher werktags von 19:00 bis 07:00 sowie an Samstagen, Sonn- und Feiertagen ganztägig, auch in der Nacht. Der Grazer Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ) plädiert hingegen dafür, dass das auch so bleibt:

„Wir sind offen für Änderungen, das Angebot des Ärztenotdienstes und insbesondere der nächtliche Visitendienst sollen jedoch umfassend beibehalten werden. Die offenbar geplanten drastischen Einschränkungen der Versorgung in der Nacht können wir uns aber nicht vorstellen. Der Notdienst dient ja einerseits der Entlastung der Ambulanzen vor allem in der Nacht, andererseits stellt diese Einrichtung ein niederschwelliges Angebot für die Bevölkerung dar. Hier zu sparen wäre ein falsches Signal.“
 

Stärkung des Visitendienstes

Aus Sicht des Gesundheitsstadtrates wäre es wesentlich sinnvoller, die Visitendienste zu stärken und an die tatsächlichen Bedürfnisse von Graz anzupassen: „Dadurch würde der Ärztenotdienst näher an die Bevölkerung heranrücken. Die Ärztinnen und Ärzte sollten in dringenden Fällen rasch zu den Menschen kommen. Es ist das Anliegen der Stadt Graz, dass diese Visiten in diesem Ausmaß erhalten bleiben, um die medizinische Versorgung auch weiterhin in vollem Umfang zu gewährleisten“, erklärt Krotzer. Immerhin leistet die Stadt Graz im Unterschied zu den steirischen Bezirken zudem einen erheblichen Kostenanteil am Ärztenotdienst. So beträgt die jährliche Beitragszahlung rund 350.000 Euro, das entspricht immerhin fast 1.000 Euro pro Tag.
 

Weitere Verhandlungen notwendig

Die gesundheitspolitischen Interessen der Grazer Bevölkerung wie auch die Bedenken der Ärztinnen und Ärzte dürfen nicht kurzfristigen Spar-Fantasien geopfert werden.

„Unsere Hand für Verhandlungen bleibt selbstverständlich ausgestreckt und diese Rückkehr zum Verhandlungstisch fordern wir auch vom Land Steiermark ein. Unser Interesse liegt dabei eindeutig an Erhalt und Verbesserung des Notdienstes“, so Gesundheitsstadtrat Krotzer.

20. Januar 2022