Gemeinderat: ÖBB-Fahrdienstleitung in Graz muss erhalten bleiben

Die Fahrdienstleitung am Grazer Hauptbahnhof soll aufgelassen und nach Villach übersiedelt werden: Für Graz, würde das einen massiven Rückschritt bedeuten. 34 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Nach einem KPÖ-Antrag fordert der Grazer Gemeinderat nun Bundesminister Peter Hanke (SPÖ) zum Handeln auf.

Elke Kahr.jpg
Bürgermeisterin Elke Kahr setzt sich für den Erhalt der ÖBB-Fahrdienstleitung in Graz ein.

Eben erst wurde der Grazer Hauptbahnhof durch die Koralmbahn aufgewertet, nun gibt es aber negative Neuigkeiten: Die ÖBB planen die Grazer Fahrdienstleitung nach Villach zu verlegen. Die Weichen für die Zentralisierung wurden schon vor Jahren gestellt:  Am Ende, so der Plan, sollen nur noch fünf Betriebsführungszentralen in Wien, Innsbruck, Salzburg, Linz und Villach übrigbleiben. Der gesamte Zugverkehr im Süden unserer Alpenrepublik, vom Mürztal bis Osttirol, soll dann von Villach aus dirigiert werden.

Benachteiligung steirischer Arbeiter:innen

In den letzten Jahren wurden bereits 130 steirische Arbeitsplätze nach Kärnten verlagert, 120 weitere sollen es in den nächsten Jahren noch sein, darunter 34 hochqualifizierte Arbeitsplätze in Graz. Zwar wurden bislang keine Kündigungen ausgesprochen, vielen betroffenen Mitarbeiter:innen ist das Pendeln nach Villach aber nicht möglich, was zur Folge hat, dass einige auf schlechter bezahlte Stellen versetzt wurde. Ein ganzer Fachbereich im Bahnwesen droht flächig zu verschwinden, zumal die schon länger laufende schrittweise Absiedelung der Betriebsführungen aus der Steiermark mit Graz und der steirischen Ostbahn 2027 im Großen und Ganzen abgeschlossen werden soll.

Elke Kahr leistet Widerstand

Dass die Grazer Fahrdienstleitung im November aus Graz abgezogen wird, will Bürgermeisterin Elke Kahr nicht so einfach hinnehmen. In einem Schreiben an den ÖBB-Vorstand fordert sie, dass auch in Graz eine Betriebsführungszentrale etabliert wird.

„Natürlich kann von Villach aus viel ferngesteuert werden, aber lokale Besonderheiten und die direkte Kommunikation fallen dabei unter den Tisch. Die in Graz gute Qualitätsstatistik etwa im Bereich der Pünktlichkeit könnte durch den Abzug erheblich leiden“, befürchtet Elke Kahr. „Während man in Deutschland dazu übergeht, betriebliche Steuerungsfunktionen bewusst wieder regional zu organisieren, um Flexibilität, Stabilität und Personalbindung zu stärken, halten die ÖBB an der Totalzentralisierung fest“, sagt die Grazer Bürgermeisterin.

Anfang Juni erreichte die Grazer Bürgermeister eine Antwort der ÖBB, in der auf die konkret geäußerten Bedenken nicht eingegangen wurde. Sie enthält keine Begründung dafür, warum Graz nicht als Standort einer Betriebsführungszentrale vorgesehen ist/war. Sie liefert auch keine konkrete Erklärung, warum die gesamte Südregion von Villach aus effizienter gesteuert werden kann als durch eine Aufteilung der Aufgaben auf zwei Standorte. In ihrem Schreiben hat die Bürgermeisterin argumentiert, dass zwei Betriebsführungszentralen die Belastung verteilen, die Ausfallsicherheit erhöhen und eine stärkere regionale Verankerung gewährleisten könnten. Die ÖBB legt jedoch nicht dar, ob ein solches Modell geprüft wurde, welche Vor- oder Nachteile es hätte oder aus welchen Gründen es verworfen wurde.

Auf den Hinweis der Regionalisierung sowohl in Deutschland als auch der Schweiz wird in der ÖÖB-Antwort nicht eingegangen. Stattdessen wird lediglich auf positive Erfahrungen mit bestehenden österreichischen Betriebsführungszentralen verwiesen. Damit wird jedoch die Frage nicht beantwortet, ob die österreichische Strategie im internationalen Vergleich tatsächlich der sinnvollste Weg ist.

Darüber hinaus bleibt die Frage der Ausfallsicherheit weitgehend unbeantwortet. Zwar wird auf die Krisenfestigkeit moderner Betriebsführungszentralen verwiesen, jedoch nicht erläutert, welche konkreten Sicherheits- und Redundanzkonzepte für den Fall eines Ausfalls der BFZ Villach vorgesehen sind. Ebenso wird nicht erklärt, weshalb ein Modell mit zwei Standorten nicht möglicherweise robuster wäre.

abstimmung oebb.jpg
Nur die NEOS stimmten im Gemeinderat gegen die Beibehaltung der ÖÖB-Betriebsführungszentrale in Graz.

Steiermark hat viel investiert

Die Entscheidung der ÖBB ist umso unverständlicher, zieht man in Betracht, dass in der Steiermark viel in den regionalen S-Bahn-Verkehr investiert wurde, die wirtschaftliche und wissenschaftliche Kompetenzen etwa durch die Technische Universität mit einem eigenen Institut für Eisenbahnwesen und Bahntechnik unumstritten sind und dem Bahnstandort Graz/Steiermark auch seitens der ÖBB durch beschlossene und geplante Bauprojekte (etwa Semmeringtunnel, Neubau Strecke Graz–Frohnleiten, S-Bahn-Citytunnel) Rechnung getragen wird.

Gemeinderat fordert Erhalt der Fahrdienstleitung

Auf KPÖ-Initiative hat sich der Grazer Gemeinderat fast einstimmig für den Erhalt der ÖÖB-Fahrdienstleitung in Graz ausgesprochen und den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, Peter Hanke (SPÖ), aufgefordert, sich als Eigentümervertreter der Republik bei den ÖBB für eine Adaptierung der Betriebsführungsstrategie einzusetzen, sodass darin auch eine Betriebsführungszentrale in Graz vorgesehen ist. Einzig NEOS-Gemeinderat Philipp Pointer stimmte gegen den Antrag, warum, wollte er im Gemeinderat nicht begründen.

Blau-schwarzer Kürzungskurs wird fortgesetzt

08-10-26 Be­reits beim ver­gan­ge­nen Bud­get hat sich ab­ge­zeich­net, dass die blau-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung den Lan­des­haus­halt vor al­lem auf der Aus­ga­ben­sei­te zu sa­nie­ren ver­sucht. Mit dem heu­te prä­sen­tier­ten Bud­get set­zen FPÖ und ÖVP ih­ren Kür­zungs­kurs fort und ver­schär­fen ihn. „Ge­spar­t“ wird dort, wo…

KPÖ zum Verbotsgesetz gegen den politischen Islam

29-09-26 Re­li­giö­ser Fa­na­tis­mus, is­la­mis­ti­sche Um­trie­be und Hass­p­re­di­ger, die ge­zielt Ju­gend­li­che über So­cial Me­dia ra­di­ka­li­sie­ren wol­len, sind klar ab­zu­leh­nen und müs­sen kon­se­qu­ent be­kämpft wer­den. Ge­ra­de des­halb braucht es ei­ne ernst­haf­te St­ra­te­gie, um die­sem Pro­b­lem ent­ge­gen­zu­t­re­ten und kon­k­re­te Maß­nah­men zu set­zen.

Zukunft des Heizkostenzuschusses ungewiss? Amesbauer poltert, aber bleibt Antworten schuldig

29-09-26 Be­son­ders in Zei­ten stei­gen­der Le­ben­s­er­hal­tungs­kos­ten leis­tet der Heiz­kos­ten­zu­schuss ei­nen wich­ti­gen Bei­trag zur Ab­fe­de­rung fi­nan­zi­el­ler Be­las­tun­gen. Für die Heiz­sai­son 2026/27 wird der Zu­schuss zwar wie­der aus­be­zahlt, gleich­zei­tig ge­hen aber Ge­rüch­te um, nach de­nen der Heiz­kos­ten­zu­schuss im kom­men­den Jahr den Kür­zun­gen der…

Veröffentlicht: 19. Juni 2026