Stadion Liebenau: Realistischer Plan für Modernisierung und Ausbau

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Die Grazer Rathauskoalition hat einen konkreten und umsetzbaren Vorschlag zur Modernisierung und Ausbau des Stadions Liebenau ausgearbeitet. Das Stadion Liebenau bleibt im öffentlichen Eigentum und die Vereine erhalten umfassende Rechte.
Foto: © Harry Schiffer, MCG

Die Grazer Rathauskoalition hat einen konkreten und umsetzbaren Vorschlag zur Modernisierung und Ausbau des Stadions Liebenau ausgearbeitet. Dieser greift einerseits Punkte des in der Vorwoche von den Vereinen präsentierten Konzepts auf, berücksichtigt andererseits jedoch auch wirtschaftliche und rechtliche Fragestellungen, die im Konzept der Vereine ausgeklammert blieben. Ziel ist eine zukunftsfähige Lösung, die den sportlichen Anforderungen des SK Sturm Graz und des GAK gerecht wird und zugleich rechtlich zulässig, wirtschaftlich tragbar sowie finanziell verantwortbar ist.

 

Angebot: Stadion bleibt im öffentlichen Eigentum – Vereine erhalten umfassende Rechte

Der erarbeitete Vorschlag wird den Vereinen am kommenden Donnerstag im Detail präsentiert. Dieses Angebot sieht ein deutlich erweitertes Mitspracherecht sowie mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die Vereine vor – weit über das bisherige Modell hinaus.

Dem Wunsch der Vereine nach mehr Mitbestimmung, Verantwortung und zusätzlichen Einnahmemöglichkeiten wird dadurch Rechnung getragen, dass sie das gesamte Stadion pachten und umfassende Nutzungs- und Verwertungsrechte erhalten. Dazu zählen unter anderem Rechte für Veranstaltungen, Schankrechte, Namensrechte, Vermarktung sowie Eventformate.

 

Modernisierung und Ausbau um 60 bis 70 Millionen Euro

Auf technischer Ebene ist eine umfassende Modernisierung des Stadions Liebenau mit einem Investitionsvolumen von rund 60 bis 70 Millionen Euro vorgesehen. Geplant sind unter anderem:

  • eine Absenkung des Rasens zur Kapazitätserhöhung auf rund 20.000 Zuschauer:innen,
  • die Herstellung der Champions-League-Tauglichkeit (derzeit UEFA Kategorie 4 Stadion und zugelassen für Europa und Conference League),
  • ein gezielter Ausbau des Hospitality-Bereichs,
  • die Erneuerung der Stadiontechnik,
  • Verbesserungen an der Fassade sowie
  • eine Neugestaltung des Stadionvorplatzes.
     

Land Steiermark als Partnerin notwendig

Ohne eine substanzielle Beteiligung des Landes Steiermark ist eine derartige Modernisierung nicht möglich. Der Vorschlag der Stadt sieht daher vor, dass das Land Miteigentümer der Stadion Verwaltungs GmbH sowie Miteigentümer des Stadions Liebenau wird. Stadt und Land würden gemeinsam die bauliche Modernisierung inhaltlich und finanziell verantworten. Mit dem Land steht die Stadt diesbezüglich bereits seit Ende letzter Woche im Austausch und vertiefende Gespräche folgen diese Woche.
 

Betriebskonzept der Vereine rechtlich und finanziell nicht umsetzbar

Im Rahmen eines Termins am vergangenen Donnerstag wurde von den beiden Vereinen ein Betriebskonzept präsentiert, auf dessen Vorlage die Rathauskoalition seit Monaten gewartet hatte. Dieser Vorschlag sieht vor, dass Stadt und Land gemeinsam rund 75 Millionen Euro investieren, während die Vereine 20 Millionen Euro beitragen und im Gegenzug umfassende Verfügungs- und Nutzungsrechte am Stadion erhalten sollen – inklusive Baurecht ohne Baurechtszins.

Ein solches Modell ist in dieser Form nicht umsetzbar. Es verstößt gegen die Subventionsordnung der Stadt Graz, das EU-Beihilfenrecht sowie das EU-Wettbewerbsrecht und wäre darüber hinaus gegenüber der Grazer Bevölkerung finanziell nicht verantwortbar.
 

Vergleich mit Linz und Wien hält einer Prüfung nicht stand

Die von den Vereinen selbst gezogenen Vergleiche mit den Stadionmodellen in Linz und Wien sind bei genauer Betrachtung nicht haltbar. Vor dem Umbau befanden sich sowohl die Linzer Gugl als auch das Wiener Hanappi-Stadion im Eigentum der jeweiligen Stadt. Sowohl der LASK als auch Rapid Wien haben einen wesentlichen Teil der Investitionskosten übernommen und zahlen für die entsprechenden Rechte jeweils einen Baurechtszins an die jeweilige Stadt. Der LASK trug rund 70 Prozent der Investitionskosten der rund 100 Millionen Euro teuren Raiffeisen Arena (Baubeginn 2021), Rapid Wien beteiligte sich mit 50 Prozent an den rund 53 Millionen Euro Baukosten des Allianz Stadions (Baubeginn 2014).

Im Gegensatz dazu würden die beiden Grazer Vereine gemeinsam weniger als 20 Prozent der Gesamtinvestition tragen wollen und gleichzeitig sämtliche Stadionrechte sowie ein Baurecht ohne Gegenleistung beanspruchen. Diese Modelle sind daher finanziell nicht vergleichbar.
 

Nächste Schritte im Gemeinderat

Sofern die Vereine und das Land Steiermark diesen für alle Seiten tragfähigen Vorschlag unterstützen, soll im Februar-Gemeinderat ein Beschluss gefasst werden, um die für einen Planungsbeschluss notwendigen Vorarbeiten für die Modernisierung und den Ausbau auf ein zeitgerechtes 20.000-Zuschauer:innen-Stadion zu beauftragen. Die technische Basis dafür bietet die von der Baudirektion ausgearbeitete Machbarkeitsstudie. Dieser Beschluss ist Voraussetzung für den für Mai 2026 vorgesehenen Planungsbeschluss.
 

Das sagt die Rathauskoalition

Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) dankt den Vereinen für das gemeinsame Vorgehen und die bisherige Zusammenarbeit. „Der nun auf dem Tisch liegende Vorschlag entspricht den Interessen der Stadt und der Vereine gleichermaßen. Weil wir die Zukunft des Stadions Liebenau noch vor den anstehenden Gemeinderatswahlen klären wollen, gilt zugleich: Sollte keine zeitnahe Einigung zustande kommen, wird die Stadt Graz das Stadion mit rund 30 Millionen Euro sanieren, um die notwendige Bestandssicherung zu gewährleisten.“

„Seit Beginn der Koalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ ist vieles an historisch gewachsenem Investitionsrückstau aufgeholt worden. Auch das nicht mehr zeitgemäße und sanierungsbedürftige Stadion hat uns in dieser Zeit beschäftigt“, so Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne). „Nun haben wir einen umsetzbaren Vorschlag für die Modernisierung und den Ausbau erarbeitet. Wenn das Land Steiermark und die Vereine dieses Vorhaben unterstützen, werde ich den Planungsbeschluss in den Gemeinderat noch vor dem Sommer einbringen.“

Dass die Stadt zu ihrem Wort steht, wiederholt Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ): „Die zugesagten 30 Millionen Euro sind finanzierbar und werden bereitgestellt – auch wenn das für alle Beteiligten eine Kraftanstrengung ist. Entscheidend für den jetzigen Durchbruch war aber vor allem, dass die Vereine begonnen haben, auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten und Verantwortung für eine gemeinsame Lösung zu übernehmen. Diese Variante ist nicht nur sportlich sinnvoll und rechtlich sauber, sondern auch finanziell verantwortbar gegenüber der Grazer Bevölkerung und den Steuerzahler:innen.“

„Jetzt geht es nicht um juristische Spitzfindigkeiten, sondern um Entschlossenheit und den gemeinsamen Willen zur Umsetzung – den sprichwörtlichen Zug zum Tor“, so die Grazer SPÖ-Vorsitzende Doris Kampus. „Im Mittelpunkt steht die Erarbeitung tragfähiger Lösungen sowie ein klares Bekenntnis der öffentlichen Hand. Stadt und Land müssen schnellstmöglich ihre finanziellen Zusagen treffen. Der notwendige Ausbau soll partnerschaftlich geplant werden, gemeinsam mit den Vereinen, die dabei nicht nur eingebunden, sondern mit echtem Mitspracherecht, ausreichendem Gestaltungsspielraum sowie fairen und nachhaltigen Einnahmemöglichkeiten ausgestattet werden müssen. Nur so kann ein breit getragenes Projekt gelingen.“

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Veröffentlicht: 20. Januar 2026