Streitpunkt Trinkwasser: Das sagt Graz im UVP-Verfahren zum Kraftwerk Stübing
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Der Verbund hat im Dezember das Murkraftwerk Stübing behördlich eingereicht, obwohl Experten gewarnt hatten, dass das Projekt mit enormen Auswirkungen auf die Grazer Trinkwasserversorgung „unausgegorenen“ ist. Das hat sich nun bestätigt: In einer von der UVP-Behörde des Landes eingeforderten Stellungnahme wird betont, dass „die eingereichten Unterlagen aus fachlicher Einschätzung nicht ausreichen, das Projekt und dessen Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgungsanlage in Friesach hin zu beurteilen. Aus Sicht der Holding ist das eingereichte Projekt derzeit nicht bewilligungsfähig und in erheblichen Teilen nachzubessern.“
Grazer Trinkwasser in Gefahr
In unmittelbarer Nähe des geplanten Kraftwerks liegen die Brunnen von Friesach, über die rund ein Drittel des städtischen Trinkwassers gefördert wird. Daher sei es absolut vorranging, die quantitative und qualitative Trinkwasserversorgung sicherzustellen, wiederholte Bürgermeisterin Elke Kahr: „Die nun eingereichten Planung hat unsere Bedenken nicht zerstreut – im Gegenteil.“
Für die Stadt Graz begleitet – zusätzlich zu den Experten der Holding – der Hydrogeologe Steffen Birk von der Uni Graz das Projekt. In dem von ihm mitverfassten Stellungnahme heißt es: „Nachvollziehbare Untersuchungen und Prognosen der Auswirkungen der Bau- und Betriebsphasen auf die Wasserqualität fehlen weitgehend.“
An anderer Stelle: „Diesbezüglich ist es irritierend, dass keine Überprüfung bakteriologischer Parameter vorgesehen ist. (…) Es kann aber vermutet werden, dass Wässer, die aus dem Stauraum in das Grundwasser infiltrieren, mit einer kurzen Verweilzeit in die Brunnenanlagen gelangen und daher auch bakteriologische Verunreinigungen nicht auszuschließen sind.“
Für Birk ist klar: „Die Eingriffsintensität des Vorhabens wird sowohl für die Bau- als auch Betriebsphase mit sehr hoch bewertet. Dies ist bei der gewählten fünfteiligen Bewertungsskala die höchste Intensitätsstufe.“
Zweifel an Maßnahmen
Mit Projekteinreichung sind mehr Fragen aufgeworfen als geklärt: So ist keineswegs gesichert, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen geeignet sind, in die negativen Auswirkungen auf das Grundwasser zu kompensieren. Aus den Unterlagen sind keine Untersuchungsergebnisse ersichtlich, die darauf schließen lassen, dass die Maßnahmen zum Schutz der Trinkwasserqualität auch wirklich wirksam sind.
Die Frist für die Stellungnahme läuft bis 9. Februar. Danach wird der von der UVP-Behörde bestellte Sachverständige über die weitere Vorgehensweise entscheiden.
Politischer Schlagabtausch
Im Dezember stellte die Grazer KPÖ-Umweltsprecherin Miriam Herlicska im Gemeinderat einen Antrag, der die Sicherheit des Grazer Trinkwassers in Zusammenhang mit dem geplanten Murkraftwerk in Stübing zum Inhalt hatte. Die FPÖ-geführte Landesregierung wollte ihre Verantwortung bei der Sicherung des Grazer Trinkwassers aber nicht wahrnehmen (siehe hier), vielmehr wollte sich der blaue Landesrat Hannes Amesbauer in der Öffentlichkeit mit Untergriffen aus der Verantwortung stehlen.
Veröffentlicht: 5. Februar 2026