125.000 Euro für viel heiße Luft

Sprühnebel am Tummelplatz ohne Kühlungseffekt.

„Statt einer kurzlebigen Politik mit Marketingmethoden wäre eine Politik der Verantwortung und Vernunft gefragt“, appelliert Gemeinderätin Christine Braunersreuther.

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Durch aufsteigenden Hitze vom Boden des Platzes können die feinen Tröpfchen nicht absinken. Somit verpufft der gewünschte Kühlungseffekt. (Screenshot von Video: Facebook/Peter Oberleitner)

Wer am letzten Wochenende die am Tummelplatz neu installierte Sprühnebelanlage „testen“ wollte, stellte fest, dass der gewünschte Kühleffekt überhaupt nicht zu verspüren war. Auch die verantwortlichen Stellen der Stadt Graz dürften dies mittlerweile bemerkt haben und befragen die Grazer Bevölkerung via Online-Fragebogen über ihr subjektives Empfinden (https://tinyurl.com/ybg8lxau).

Aber warum bleibt der Kühlungseffekt aus? Physikalisch betrachtet, dürfte die vom Boden aufsteigende Hitze des Platzes die feinen Tröpfchen der Sprühnebelanlage am Absinken hindern. Dadurch verpufft der gewünschte Effekt. Das ist auch in einem Video auf Facebook ersichtlich: https://tinyurl.com/yben3fge. In Gastgärten funktioniert das System, da meist eine dazugehörige Markise Schatten spendet und somit einerseits der Boden nicht zu sehr aufgeheizt wird und anderseits die Tröpfchen am Aufsteigen gehindert werden.

Jetzt wissen wir, dass hier 125.000,- Euro für viel heiße Luft ausgegeben wurden. Statt kurzlebige Ankündigungspolitik mit Marketingmethoden zu betreiben, wäre die Stadtkoalition gut beraten eine Politik der Verantwortung und Vernunft zu praktizieren“, appelliert Gemeinderätin Christine Braunersreuther.

„Deswegen sollte dieses gescheiterte Projekt zum Anlass genommen werden, um zukünftig in wirklich effektive Kühlungsmaßnahmen für die Stadt zu investieren: Das sind Bäume, Brunnen- und Wasserspielanlagen. Nimmt man die wissenschaftlichen Prognosen ernst, welche die zunehmende Hitze in Städten in 20 bis 30 Jahren beschreiben, sind wir es jetzt der nächsten Generation schuldig, dass sie dann Grazer Plätze vorfinden, auf welchen man sich im Sommer noch aufhalten kann. Die Leute werden heilfroh sein, wenn sie einen 30-jährigen Baum, der genügend Schatten wirft und das Mikroklima positiv beeinflusst, vorfinden werden“, findet Braunersreuther klare Worte.

 

16. Juni 2020