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40 Kündigungen bei Neckermann Graz

"Heuschrecke" Sun Capital im Hintergrund - ehemaliges Kastner-Versandhaus betroffen

Bei den Meldungen über die bevorstehende Kündigung von 40 Beschäftigten bei Neckermann in Graz tritt die Tatsache völlig in den Hintergrund, dass die Versandhandelsfirma Neckermann schon lange kein deutsches Familienunternehmen mehr ist. Neckermann ist im Besitz der international operierenden Kapitalanlagefirma Sun Capital Partners. Nach eigenen Angaben ist Sun Capital eine „private Investmentgesellschaft, die sich auf fremdfinanzierte Übernahmen sowie auf Aktien-, Anleihe- und andere Investitionen in marktführenden Unternehmen konzentriert“. Seit der Gründung von Sun Capital im Jahr 1995 haben sich die mit der Firma verbundenen Unternehmen durch Investitionen an über 270 Unternehmen weltweit mit einem Gesamtumsatz von über 40 Mrd. US-Dollar beteiligt. Geldgeber sind unter anderem Pensionsfonds, Stiftungen und finanzstarke Privatiers. Mit dem eingesammelten Kapital kauft Sun Capital angeschlagene Firmen und packt sie in Fonds.
Im Volksmund werden derartige Finanzkonzerne Heuschrecken genannt, weil sie auf schnellen Profit aus sind und eine langfristige Entwicklungsstrategie der aufgekauften Firmen hintangestellt wird.

Darauf wies die Grazer KPÖ-Stadträtin Elke Kahr am Donnerstag hin. Kahr: „Es ist in keiner Weise ausgemacht, dass die jetzt beschlossenen Kündigungen den Neckermann-Standort Graz und die verbleibenden Arbeitsplätze langfristig sichern“.

Bei der KPÖ weist man darauf hin, dass es Neckermann in Graz gibt, weil der Konzern zum 1. März 1994 die Versandsparte der Kaufhauskette Kastner & Öhler in Graz übernommen hatte. Das Unternehmen wurde 1997 in Neckermann Versand Österreich AG umbenannt.

Elke Kahr: „ÖGB, AK und die politisch Verantwortlichen in Stadt und Land haben jetzt die Verpflichtung, im Interesse der Beschäftigten und ihrer Familien aktiv zu werden. Auf alle Fälle sind die Kündigungen bei Neckermann weitere Zeichen dafür, dass die Jubelmeldungen über eine positive Wirtschaftsentwicklung verfrüht waren.“

1. September 2011