7 Maßnahmen für eine »Wärme-Wende« in Graz

Neue Energiequellen werden Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen reduzieren

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Versorgungs- und Preissicherheit bei der Fernwärme und das Einsparen von fossilen Brennstoffen sind die wesentliche Anliegen von Bürgermeisterin Elke Kahr beim der „Wärme-Wende“ in Graz. (Foto: He Gong, unsplash)

Abhängigkeit von ausländischem Gas, unsichere Weltmärkte, enorme Preissteigerungen und nicht zuletzt die ungeklärte Versorgung der Haushalte: Wie ganz Europa ist auch das Land Steiermark mit dem Landesenergieversorger Energie Steiermark sowie die Stadt Graz auf kommunaler Ebene mit energiepolitischen Problemen konfrontiert. Das macht Maßnahmen zur Versorgungssicherheit und eine Strategie, wie man die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren kann zu Geboten der Stunde.
 

Elke Kahr: „Brauchen Versorgungs- und Preissicherheit“

„Für die Grazer Bevölkerung brauchen wir dringend Versorgungs- und Preissicherheit bei der Fernwärme. Und wir müssen weg von den fossilen Brennstoffen“, betont Bürgermeisterin Elke Kahr.

Sieben konkrete Maßnahmen hat Kahr zusammen mit Bürgermeisterin-Stellvertreterin Judith Schwentner (Grüne), Klubobmann Michael Ehmann (SPÖ), Dr. Werner Prutsch (Leiter des Umweltamts der Stadt Graz), Wolfgang Malik (Vorstandsvorsitzender der Holding Graz), Gert Heigl (Vorstandsdirektor der Holding Graz) und Christian Purrer (Vorstandssprecher der Energie Steiermark) vorgestellt.


Erfolgsgeschichte Fernwärmeversorgung auf neuen Wegen

Die Fernwärmeversorgung im Großraum Graz hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt und damit wesentlich zur Verbesserung der Luftqualität im Grazer Becken beigetragen. Das kommunale „Energiekonzept 2017“ der Stadt sowie die Initiativen südlicher Umlandgemeinden bildeten die Basis für die Erhöhung der Anschlusswerte um über 40 Prozent in den letzten Jahren, sodass Graz heute über 80.000 fernwärmeversorgte Haushalte zählt.

„Der Plan sieht für die langfristige Reduktion des Erdgas-Anteils in der Wärmeaufbringung konkret sieben Projekte mit einer Wärmeproduktionskapazität von rund 660 GWh bis zum Jahr 2030 vor“, erklärte Dr. Werner Prutsch, Leiter des Umweltamts der Stadt Graz.
 

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(Grafik: achtzigzehn)

Energiewerk Graz und EKV als energie- und umweltpolitische Meilensteine

Vor allem mit der energetischen Reststoff- und Klärschlammverwertung wird ein wesentlicher Beitrag zur weiteren Ökologisierung sowie zur Reduktion von externen Abhängigkeiten im Energie- und Abfallbereich geleistet. Das bringt auch Sicherheit für die lokale Wärmeversorgung und die eigene Verwertung von Reststoffen. Untersuchungen zeigen ein erhebliches Einsparungspotential der CO2-Emissionen durch die Substitution von Erdgas für die Wärmeproduktion und den Wegfall von zumindest 1.000.000 Transportkilometern von Abfällen ins Ausland.

Dazu kommen die verstärkte Nutzung der Abwärme von der Papier- und Zellstofffabrik Sappi Gratkorn, die Verwendung für Niedertemperaturabwärme aus dem Stahl- und Walzwerk Marienhütte für den Stadtteil Reininghaus sowie das thermosolare Speicherprojekt „Helios“.

Die Integration eines 8.000 m³ großen Wärmespeichers rundet die energieeffiziente Gesamtkonzeption ab. Als nächsten Schritt wird die Energie Graz detaillierte Untersuchungen durchführen und die notwendigen Unterlagen für das UVP Verfahren vorbereiten.
 

Erreichbare Effekte durch die Nutzung stadteigener Ressourcen zur Energieversorgung

  • Durch die thermische Verwertung der Reststoffe und Klärschlämme wird Fernwärme für 30.000 Wohnungen in Graz bereitgestellt. Jetzt wird dafür noch importiertes Erdgas eingesetzt. Es werden ca. 22.000 Tonnen CO2-Emissionen aus der Erdgasverbrennung vermieden.
  • Reduktion der überregionalen und innerstädtischen Verkehrsbelastung: Einsparung von zumindest 1.000.000 Transportkilometern gegenüber dem Status quo.
  • 100 Arbeitsplätze in der Steiermark werden dauerhaft geschaffen.
  • Emissionsfreier Betrieb von 60 Bussen und LKW mit Wasserstoff.


Überblick und Zeitplan

  • Ab 2029: Energiewerk Graz mit ca. 185 GWh jährlich
  • Ab 2022: Erste Erweiterung Abwärmenutzung aus dem Papier- und Zellstoffwerk Sappi Gratkorn mit ca. 40 GWh jährlich
  • Ab 2023: Abwärmenutzung aus der revitalisierten Gasturbine-Thondorf
    mit ca. 135 GWh jährlich
  • Im Endausbau ab 2024 zusätzliche Restabwärmenutzung Marienhütte
    mit bis zu 15 GWh jährlich
  • Ab 2026: Zweite Erweiterung Abwärmenutzung aus dem Papier- und Zellstoffwerk Sappi Gratkorn mit ca. 50 GWh jährlich
  • Ab 2026: Biomasseanlage mit solarem Speicherprojekt BioSolar Graz
    mit ca. 200 GWh jährlich
  • Ab 2028 Energetische Klärschlammverwertung (EKV) und Abwärmenutzung aus der Kläranlage der Stadt Graz in Gössendorf mit ca. 36 GWh jährlich


Nähere Informationen finden Sie hier.

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Christian Purrer (Energie Steiermark), Werner Prutsch (Umweltamt), Gert Heigl und Wolfgang Malik (Holding Graz) mit Elke Kahr (KPÖ), Judith Schwenter (Grüne) und Michael Ehmann (SPÖ). (Foto: Julia Prassl)

4. Juli 2022