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Gefragte Gemeindewohnungen

Österreich-Reportage über Grazer Wohnungspolitik

Die Krise führt zu vermehrter Nachfrage nach Gemeindewohnungen.

Kredit-Krise: Immer mehr verschuldete Eigenheimbesitzer suchen um Gemeindewohnung an

Ansturm auf Gemeindebau




Bis jetzt hat die Finanzkrise vor allem Banken und Autoindustrie getroffen. Doch langsam spüren auch viele Bürger die Folgen.

Graz. Die Wirtschaftskrise hat mittlerweile offenbar den Wohnungssektor erreicht. In Graz suchen immer öfter Besitzer von Wohnhäusern oder Eigentumswohnungen um eine Gemeindëwohnung an - weil sie sich die Kreditraten für ihr Eigenheim nicht mehr leisten können.

"Es ist auffallend, diese Fälle sind wirklich signifikant mehr geworden in der letzten Zeit", bestätigt Alfred Strutzenberger, Büroleiter von Wohnstadträtin -Elke Kahr (KP). "Der Kardinalfehler besteht darin, dass viele glauben, die Eigentumswohnung sei billiger als eine Mietwohnung", meint Strutzenberger. Die Menschen würden die Finanzierung meist "sehr knapp durchplanen" und Kredite aufnehmen. "Es kaufen sich immer mehr eine Eigentumswohnung, die es sich eigentlich nicht leisten können."

Fallen plötzlich unerwartete Ausgaben an -  etwa für Zahnersatz -können viele die Kredite nicht mehr abbezahlen. "Dann versteigern die Banken schnell die Immobilien. Das passiert derzeit immer häufiger", erzählt Strutzenberger. Schließlich kommen die ehemaligen und meist überschuldeten Eigenheimbesitzer ins Wohnungsamt, um sich um eine Gemeindewohnung zu bewerben.

Doch die rund 10.600 Grazer Gemeindewohnungen sind heiß begehrt. "In letzter Zeit haben wir im Schnitt 1.700 bis 1.800 Anträge. Dem gegenüber stehen aber nur 60 bis 100 freie Wohnungen", berichtet Strutzenberger, Die Vergabe erfolgt nach klaren Richtlinien, die sozial Schwächere begünstigen. "Es gibt da eine einfache Faustregel: Je weniger ich verdiene, je mehr Kinder ich habe, je schlechter die Wohnung ist, in der ich zurzeit wohne, desto mehr Punkte bekomme ich.' Und damit wahrscheinlich auch die Wohnung - so eine zur Verfügung steht.

Was die Gemeindewohnungen so attraktiv macht: Die Miete liegt 40 Prozent unter dem steirischer Richtwert. "Für eine Wohnung der Kategorie A mit Zentralheizung, Bad und WC zahlt man nur 3,70 Euro pro Quadratmeter- statt normalerweise 6,52 Euro", erklärt Strutzenberger.

Daniel Windisch

 
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Bericht in "Österreich" vom 20. Dezember

24. Dezember 2008