Ärztenotdienst anpassen, nicht einschränken

nurse-2536964_960_720.jpg

„Unser Interesse liegt dabei eindeutig an Erhalt und Verbesserung des Notdienstes. Wir nehmen die Befürchtungen der Bereitschaftsärztinnen und -ärzte sehr ernst und sehen daher weitere Verhandlungen als notwendig an,“ so Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ).

Seit vielen Monaten laufen Gespräche zwischen der Ärztekammer, der Stadt Graz, der ÖGK und Vertreter:innen des Landes Steiermark über eine Reform des Ärztenotdienstes in Graz. Die Stadt Graz ist in diesen Verhandlungen stets dafür eingetreten, die Visitendienste für eine patient:innennahe Versorgung zu verbessern und die Angebote des Funkärztlichen Notdienstes in der Nacht beizubehalten. Seitens des Landes Steiermark, konkret der Gesundheitsversorgungs-GmbH (GVG), ist in den letzten Gesprächen gegenüber der Stadt Graz eine dahingehende Bereitschaft signalisiert worden.

Mit einer Pressemeldung vom 5. Jänner 2022 wurden nun vom Land Steiermark allerdings von den bisherigen Gesprächen abweichende Änderungen des Ärztenotdienstes öffentlich gemacht, die die weiteren Gesprächspartner in Form von Ärztekammer und Stadt Graz aus Medienberichten entnehmen mussten. So soll der vom Land Steiermark und der Stadt Graz mitfinanzierte Funkärztliche Bereitschaftsdienst laut mehreren Medienberichten deutlich zurückgefahren werden, wenn es nach den Plänen des Landes Steiermark geht.
 

Reform ja, Einschränkung nein

Bisher konnten sich alle Grazerinnen und Grazer werktags von 19:00 bis 07:00 sowie an Samstagen, Sonn- und Feiertagen ganztätig an den Ärztenotdienst wenden. Der Grazer Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ) plädiert dafür, dass das auch so bleibt:

„Das Angebot des Ärztenotdienstes und insbesondere der nächtliche Visitendienst sollen möglichst umfassend beibehalten werden, offenbar geplante Einschränkungen können wir uns nicht vorstellen. Der Notdienst dient ja einerseits der Entlastung der Ambulanzen vor allem in der Nacht, andererseits stellt diese Einrichtung ein niederschwelliges Angebot für die Bevölkerung dar. Hier zu sparen wäre ein falsches Signal.“
 

Stärkung des Visitendienstes

Aus Sicht des Gesundheitsstadtrates wäre es daher wesentlich sinnvoller, die Visitendienste zu stärken und an die tatsächlichen Bedürfnisse von Graz anzupassen: „Dadurch würde der Ärztenotdienst näher an die Bevölkerung heranrücken. Die Ärztinnen und Ärzte sollten in dringenden Fällen rasch zu den Menschen kommen. Es ist das Anliegen der Stadt Graz, dass diese Visiten in diesem Ausmaß erhalten bleiben, um die medizinische Versorgung auch weiterhin in vollem Umfang zu gewährleisten“, erklärt Gesundheitsstadtrat Krotzer. Die Stadt Graz leistet im Unterschied zu den steirischen Bezirken zudem einen erheblichen Kostenanteil am funkärztlichen Notdienst. So beträgt die jährliche Beitragszahlung rund 350.000 Euro, das entspricht immerhin fast 1.000 Euro pro Tag.
 

Weitere Verhandlungen notwendig

Die Stadt Graz fordert die Vertreter:innen des Landes Steiermark dazu auf, das weitere Vorgehen mit allen Beteiligten am Verhandlungstisch weiter zu besprechen. Die gesundheitspolitischen Interessen der Grazer Bevölkerung wie auch die Bedenken der Ärztinnen und Ärzte sollen dabei mitbedacht werden.

„Wir nehmen die Befürchtungen der Bereitschaftsärztinnen und -ärzte sehr ernst und sehen daher weitere Verhandlungen als notwendig an. Unser Interesse liegt dabei eindeutig an Erhalt und Verbesserung des Notdienstes,“ so der Gesundheitsstadtrat.

10. Januar 2022