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Am teuersten sind Wohnungen am „freien Markt“

Grazer Wohnungsbericht bestätigt Haltungen der KPÖ

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Interessante Zahlen und Fakten präsentierte am Freitag die Grazer Vizebürgermeisterin und Wohnungsstadträtin Elke Kahr gemeinsam mit den Verfassern des von Wohnen Graz in Auftrag gegebenen Wohnungsberichtes (Download hier), DI Günther Rettensteiner und Mag.a Franziska Winkler.

Bis 2030 wird es in Graz ca. 324.000 Hauptwohnsitze geben.

Etwa 250 bis 1.000 Personen ziehen jährlich aus der restlichen Steiermark zu, ebenso viele aus den anderen Bundesländern. Nur nach Wien verliert Graz jährlich ca. 700 Personen. Aus dem EU-Raum kommen an die 3.000 Personen jährlich, aus anderen Staaten ziehen etwa 2.000 Personen zu. Diese Entwicklung wird laut Wohnungsbericht in den nächsten Jahren ziemlich gleich bleiben.

Nicht alle der neuen Grazerinnen und Grazer werden sich die Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt leisten können. In den letzten zehn Jahren stiegen österreichweit die Mieten um ca. 37 Prozent – bei sinkenden Reallöhnen. Diese unerfreuliche Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigungen, niedrige Pensionen verstärken diesen Trend.
 

Mehr Gemeindewohnungen

Laut vorliegendem Wohnungsbericht steuert man dieser Entwicklung am besten mit der Errichtung von Gemeindewohnungen entgegen. Diese sind nicht nur leistbar, sondern bieten durch ihre unbefristeten Mietverträge insbesondere Menschen mit niedrigeren Einkommen ein Gefühl der Sicherheit. Der Anteil von Gemeindewohnungen am Grazer Gesamtwohnungsbestand beträgt derzeit rund 6,6 und sollte möglichst rasch wieder auf mindestens 7 Prozent steigen. Zum Vergleich: In Linz hat die Stadt in 15Prozent aller Wohnungen, in Innsbruck sogar in 22 Prozent das Einweisungsrecht.
 

Leerstand

Auch dem Thema Wohnungsleerstand widmete sich der Bericht. Anhand von Erfahrungswerten in vergleichbaren Städten stehen in Graz zwei bis vier Prozent des Gesamtwohnungsbestandes leer, wovon ca. die Hälfte marktaktiv ist. Vier wesentliche Gründe, warum die andere Hälfte, rund 3.000 Wohnungen, (dauerhaft) leer steht, wurden herausgearbeitet: Unfinanzierbarer Sanierungsbedarf, Eigenbedarf, Angst vor der Vermietung und reine Wertanlage. Auf der Suche nach Möglichkeiten, einen Teil dieser Wohnungen für Menschen mit geringen Einkommen auf den Markt zu bringen, stieß man auf zwei Modelle in Dornbirn und Salzburg, wo Wohnungen von der Stadt ange- und weitervermietet werden, bzw. dem Vermieter administrativ unter die Arme gegriffen wird. In beiden Fällen verzichtet der Vermieter auf 20 bis 30 Prozent des erzielbaren Mietpreises, im Gegenzug übernimmt die Stadt das Risiko von Mietzinsausfällen.
 

Wohnungskosten

Die günstigste Wohnform in Graz sind nach dem Wohnungsbericht Gemeindewohnungen, gefolgt von Genossenschaftswohnungen. Am teuersten sind Wohnungen auf dem freien Markt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Wohnen im Eigenheim durchschnittlich ähnlich günstig, wenn nicht noch günstiger als in Gemeindewohnungen ist. Doch dafür muss man eben erst einmal die Mittel für den Erwerb eines Eigenheims aufbringen.
 

Arbeit des Grazer Wohnungsamtes bestätigt

„Der Bericht, wofür ich mich bei den Verfassern herzlich bedanke, bestätigt die gute Arbeit des Grazer Wohnungsamtes. Empfohlene Maßnahmen wie Kautionsfonds, Siedlungsbetreuung, Wohnungseinbegleitung, Mietzinszuzahlung und vor allem die Errichtung von mehr Gemeindewohnungen wurden von Wohnen Graz bereits in den letzten Jahren umgesetzt. Jetzt geht es vor allem darum, dass weitere Sonderwohnbauprogramme auf Schiene gebracht werden. Ich hoffe, der vorliegende Wohnungsbericht trägt dazu bei, dass bei diesem Vorhaben weiterhin alle an einem Strang ziehen.“

25. November 2016