Antisemitismus in Graz

Der Grazer Gemeinderat beschloss am 17. September 2020 einstimmig ein Projekt zur "Prävention von Antisemitismus". Die KPÖ unterstützt dieses Projekt, damit gegen Antisemitismus jeglicher Form in unserer Stadt etwas unternommen wird.

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Antisemitismus in jeglicher Form hat in unserer Stadt nichts verloren.

Die Angriffe auf die Grazer Synagoge und auf Präsidenten Elie Rosen waren der Auslöser, dass die Stadt Graz aktiv wurde.

"Der Antisemitismus jeglichen Ursprungs bzw. jeglicher Variante muss gesamtgesellschaftlich zurückgewiesen und auch zurückgedrängt werden."

Elke Heinrichs

Gemeinderätin Elke Heinrichs begrüßte die Initiative und machten den Standpunkt der Grazer KPÖ sehr deutlich.

>> Klicken Sie hier um den gesamten Redebeitrag von Elke Heinrichs über Antisemitismus zu lesen
S.g. Herr Bürgermeister, s.g. Damen und Herren im Saal und in der Liveübertragung! S.g. Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde in Graz, s.g. Herr Präsident Rosen!

Es ist meiner Fraktion der KPÖ Graz und mir persönlich ein sehr wichtiges Anliegen an dieser Stelle unsere Position zum Thema Antisemitismus – nach möglichen Missverständnissen – wiederholt darzulegen. Wir werden natürlich diesem wichtigen GR-Stück zustimmen.

Jeder Angriff auf jüdische Einrichtungen – jüngst ist die Grazer Synagoge das Ziel gewesen – oder sogar auf jüdische Mitmenschen – wie es kürzlich beim Angriff auf die Synagoge dem Herrn Präsidenten Elie Rosen widerfahren ist, wird von uns ausnahmslos und ungeachtet aller weltanschaulichen, religiösen, kulturellen und politischen Unterschiede absolut abgelehnt. Der Antisemitismus jeglichen Ursprungs bzw. jeglicher Variante muss gesamtgesellschaftlich zurückgewiesen und auch zurückgedrängt werden.

Um dieses zum Ausdruck zu bringen, sind ganz selbstverständlich unsere Stadträtin, Frau Elke Kahr, sowie Herr Stadtrat Robert Krotzer neben jedenfalls zwei Dutzend Genossinnen und Genossen, bei jener Mahn-Kundgebung nach dem besagten Anschlag und dem Angriff anwesend gewesen.

Dass mit der KPÖ keinerlei Antisemitismus vergesellschaftet ist, das liegt einmal in der stark antifaschistischen Tradition unserer Partei unter Beachtung der geschichtlichen Nachweisbarkeit, wonach zahlreiche unserer jüdischen Parteimitglieder während der NS-Zeit nicht nur als Antifaschisten und Kommunistinnen sondern eben auch als Juden und Jüdinnen verfolgt, mit dem Leben bedroht waren, und ihre Leben auch lassen mussten.

Als zwei der Bekanntesten unserer Kämpfer darf ich hier Willi Gaisch - er war „Halbjude“ - erwähnen, welcher als 16 jähriger Bursche im Nov. 1938 den Brand der Synagoge vom Augarten aus mitansehen musste.
Franz Leitner wurde 1939 wegen seiner Mitgliedschaft im Kommunistischen Jugendverband ins KZ Buchenwald deportiert. Dort hatte er bis zum Ende des Krieges für bessere Haftbedingungen im sogenannten „Kinderblock“ gesorgt und so hunderten Kindern das Leben gerettet. Dafür wurde er bekanntlich 1999 von Israel als „Gerechter unter den Völkern“ in Yad Vashem ausgezeichnet. Es wurde für ihn in Graz auch ein Stolperstein verlegt.

Wir, die KPÖ, traten und treten auf gegen Antisemitismus islamistischer Provenienz, gegen Antisemitismus rund um alte und neue Verschwörungstheorien und gegen Antisemitismus in einem vermeintlich „linken“ Gewand, wie wir ausdrücklich betonen möchten!
Es muss aber auch unterschieden werden können zwischen kontroversen Debatten über die derzeitige isrealische Regierungspolitik, ich betone: über die Regierung Netanjahu. Oder aber über die Feindseligkeit gegenüber Menschen mosaischen Glaubens, über israelischer Staatszugehörigkeit bzw. womöglich über das Absprechen des Existenzrechtes des Staates Israel, als völlig inakzeptable Dinge.

Gestatten Sie mir bitte noch eine kurze ganz persönliche Feststellung. Bereits in meiner Jugendzeit habe ich in meiner Familie durch das notwendige Befassen mit Zeitgeschichte – sagen wir – umgerührt.
U.a. Dingen bin ich nun seit es in Graz den Verein für Gedenkkultur gibt Mitglied, ich fördere den Verein und bin Patin für mehrere Stolpersteine. Nur ein Beispiel - für die Verlegung der Steine für die jüdische Familie Blüh haben Andreas Fabisch und ich die Patenschaft übernommen, wir hatten sogar die sehr berührende Gelegenheit die Überlebenden der Familie in Graz kennen zu lernen!
Ich besuche die Feiern anlässlich der Verlegungen nebst meinen Genossen und Genossinnen, und einmal jährlich putze ich die Messingsteine auf den Gehsteigen als eine Art hilflos-sühnende Geste – wenn sie wissen, was ich meine.
Und ganz selbstverständlich nicht nur die Steine unserer GenossInnen, sondern die aller anderen Opfer der grauenhaften Verfolgung.
Das Projekt, für den israelitischen Friedhof in Graz einen öffentlich bediensteten Mitarbeiter zu erwirken, damit dieser Friedhof auf einfachem Wege besucht werden kann, war ein Herzensanliegen von Andreas Fabisch. Daher hatte er bereits 2019 einen solchen Antrag gestellt.

Somit darf ich ihnen allen versichern, dass der KPÖ Graz ein gutes Leben in Frieden bei gegenseitigen Respekt für alle Menschen in der Stadt und darüber hinaus das größte Anliegen ist.
Wir wünschen alles Gute für gelungene Projekte, deren Förderung wir gemeinsam beschließen werden.

29. September 2020