Die Seelen einer Stadt: Geschichtsträchtige Häuser in Gefahr!

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Dieses altehrwürdige Schmuckstück in der Stiftingtalstraße wird abgerissen, um Platz für ein "neues Wohnprojekt" zu schaffen. – Fotocredits: Laukhardt, "Stiftingtalstraße 57", CC-by-sa 4.0

„Ein Altes Mühlenhaus im Stiftingtal in Graz kommt unter die Abrissbirne. Der Denkmalschutz wurde abgelehnt, das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert wird plattgemacht, ein neues Wohnprojekt kommt stattdessen auf das Areal.“ Mit diesen Worten wurde kürzlich ein weiterer Abriss historischer Bausubstanz in Graz über eine Wochenend-Zeitung publik gemacht.
 
Der Inhalt wundert aber kaum mehr jemanden in dieser Stadt: „So wie bei diesem und bei vielen anderen historischen Gebäuden unserer Stadt lautet immer öfter die dicke Überschrift in unseren Medien. Der Stadt wird mehr und mehr ihre über Jahrhunderte gewachsene historische Seele knallhart genommen. Profit steht vor Erhaltung schützenswerter Gebäude. Anstatt in Kombination zwischen alter und neuer Substanz einen Kompromiss zu erzielen, regiert die Abrissbirne in Patronanz der Stadt-Verantwortlichen“, so KPÖ-Gemeinderat und Planungssprecher Christian Sikora.
 
Von Seiten der KPÖ gibt es schon seit langer Zeit die Forderung nach einem Kataster für schützenswerte Flächen (wie Streuobstwiesen, alte Obstgärten u.a.) und Gebäude. Einen jüngst eingebrachten entsprechenden Antrag von Christian Sikora kommentierte Bürgermeister Nagl jedoch wie folgt: „Wenn wir jetzt auch noch alle Gebäude, die uns gefallen, wie manche sagen, das wäre eine schöne Villa und das auch, wenn wir das alles zusammentragen mit Bürgerinnen und Bürgern und in eine Liste schreiben, in einen Kataster schreiben, dann erwecken wir doch fälschlicherweise alle die Hoffnung, dass diesen Gebäuden dann nichts mehr passieren wird.“
 
Das spricht Bände. Doch was im Gemeinderat parteiübergreifend mit dem Räumlichen Leitbild geschafft wurde, müsste doch auch bei historischen Gebäuden möglich sein! „Ich könnte mir da durchaus vorstellen, Auflagen zu schaffen, wo die historische Substanz eines Gebäudes erhalten bleiben muss, jedoch durchaus mit Ergänzung mit einer neuzeitlichen Baukultur! Nur so können wir auch in Zukunft die Seele unserer Stadt schützen und über Generationen erhalten!“, so Sikora weiter.
 
KPÖ-Denkmalschutzsprecherin Christine Braunersreuther fordert darüber hinaus, dass die Stadt einspringen müsse, wo sich – wie in diesem Fall – kein „verständnisvoller Mensch mit Erhaltungswillen“ findet, wie ihn sich der ehemalige Besitzer der Friedlhube wohl gewünscht hatte. „Bei den Grundstückpreisen in Graz ist es absurd zu glauben, dass Liebhaber*innen hier nicht von Immobilien-Spekulant*innen ausgestochen werden“, kommentiert Braunersreuther. Aus anderen Städten kennt sie gute Beispiele, wo genau solche Häuser und Ensembles (neben der Mühle steht eine Fachwerk-Villa, die ebenfalls bald verkauft werden soll) angekauft und als Ausflugsstätten mit historischem Mehrwert genutzt werden. „Gerade in Zeiten von Corona müssen solche Orte für Freizeitgestaltung in grünen Nahbereichen geschaffen werden“, findet sie.
 
Mehr Informationen zum historischen Gebäude finden Sie auf: https://www.grazerbe.at/Stiftingtalstra%C3%9Fe_57
 

20. November 2020