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Erinnerung an Herbert Eichholzer

Ausstellung in Graz erinnert an den Architekten, Kommunisten und Widerstandskämpfer

Hommage an Herbert Eichholzer: Schwerelose Moderne

Das Projekt "Pavillon" in Graz lädt zur Wiederbegegnung mit dem Architekten und Widerstandskämpfer Herbert Eichholzer.

Viel ist von seinem Werk nicht übrig in der Steiermark. In Graz etwa die Operngarage und das Haus Lind in der Rosenberggasse, dazu ein vor ein paar Jahren eher lieblos umgebautes Wohnhaus in der Liebiggasse. In Judenburg ein Arbeiterwohnheim. Verstreut existiert noch Mobiliar nach seinen Entwürfen. Höchste Zeit also für eine Wiederentdeckung der Architektur von Herbert Eichholzer (1903 - 1943), eines zentralen Vertreters der steirischen Moderne.

1936 entwarf der Schüler von Le Corbusier und Jeanneret für den Besitzer der Grazer Marienmühle einen Pavillon am Mühlgang. Vielleicht ein Badehaus für die Arbeiter, verifizieren lässt sich das nicht mehr. Heute nutzen die Bewohner der umliegenden Siedlung das schwerelos wirkende Bauwerk für private Feiern; Gerüchte um die Urheberschaft Eichholzers gab es schon seit längerem. Die fanden Christian Marczik und Wenzel Mracek nach eingehender Recherche bestätigt. Mit Erlaubnis der Grundbesitzer haben sie nun um den Pavillon eine temporäre Wiederbegegnungsstätte mit dem Architekten eingerichtet.
Glühender Demokrat

"Pavillon. Hommage an Herbert Eichholzer" nennt sich das gemeinsame Projekt von Marcziks "Intro-Graz-Spection" mit dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum. Zwölf Tage lang ist der Bau ab heute allgemein zugänglich, Möbel von Eichholzer sind dabei ebenso zu sehen wie Entwürfe unverwirklichter Bauten (darunter eine Markthalle am Grazer Andreas-Hofer-Platz) und private Korrespondenz.

"Eine Annäherung an Eichholzers Charakter" wollen Marczik und Mracek damit unternehmen. Was dabei biografisch sichtbar wird, ist so faszinierend wie tragisch: Der glühende Demokrat Eichholzer emigrierte nach dem "Anschluss", kehrte aber zurück und betätigte sich noch als Wehrmachtsangehöriger im Widerstand. 1941 wurde er verraten, 1943 von den Nazis ermordet.

(Kleine Zeitung. 19. 10. 2013)

Es ist sehr erfreulich, dass die Steirerkrone (Mathias Grilj) und die Kleine Zeitung (Ute Baumhackl) an Herbert Eichholzer erinnern. Beide vergessen aber zu erwähnen, dass der antifaschistische Widerstandskämpfer Eichholzer, ein Mitkämpfer von Grete Schütte-Lihotzky, Mitglied der damals illegalen KPÖ war. Das sei hiemit nachgeholt und der Besuch der Eichholzer-Ausstellung empfohlen. F. St. P.

18. Oktober 2013