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Fragezeichen über Reininghaus

Interview mit Städteplaner Andrei Holm (Stadtblatt)

Hinter dem Großprojekt auf den Reininghausgründen stehen viele Fragezeichen, meint der Sozialforscher Andrej Holm.

Was ist das Ziel des Großpro¬jekts von Asset One?
Andrej Holm: Immobilienentwickler wollen eine Rendite erwirtschaften. Viele Großprojekte orientieren sich an hochwertigen und teuren Angeboten für besser Verdienende.

Welche Gefahr besteht beim Großbauprojekt Reininghausgründe?
A. Holm: Obwohl sich das Projekt als eine private Investition darstellt, ist mit dem Planungsbeginn eine langfristige Festlegung öffentlicher Mittel für Schulen, Infrastrukturen oder den Öffentlichen Verkehr verbunden. Eine andere Gefahr sind soziale Segregationsprozesse (gesellschaftliche Spaltung – Anm. d. Red.) in anderen Teilen der Stadt, denn nicht alle Grazerinnen und Grazer werden sich die Reininghausgründe leisten können.
Welche Folgen würden sich daraus für die Grazerinnen und Grazer ergeben?
A. Holm: Neben der Segregationsgefahr sehe ich vor allem eine anteilige Verringerung von preiswerten Wohnungsangeboten in der Stadt. Schon jetzt gibt es ja in Graz diesbezüglich einen erhebli¬chen Fehlbestand. Neubauplanungen im hochwertigen Bereich sind sicher schön für die, die es sich leisten können, ändern jedoch nichts an den wohnungspolitischen Herausforderungen für die Stadt.
Was kann man tun, damit soziale Spannungen vermieden werden und Stadtteilentwicklung tatsächlich zum Nutzen aller Bewohnerinnen und Bewohner gereicht?
A. Holm: In Frankreich beispielsweise wird versucht, durch gesetzlich festgelegte Quoten soziale Wohnungsbauten in allen Kommunen durchzusetzen.
Für Graz würde dies bedeuten, eben auch bei den Reininghausgründen einen Anteil von 15 oder 20 Prozent Sozialmietwohnungen vorzuschreiben und zu bauen.
Könnte das auch im Interesse des Projektentwicklungs-Unternehmens Asset One stehen?
A. Holm: Preiswerte Wohnungen stehen den Wirt¬schaftsinteressen grundsätzlich entgegen.
Aber wenn es für einen sozialen Wohnungsmix Fördergelder gibt, sind Investoren oft bereit, sich darauf einzulassen. In Deutschland gibt es auch Erfahrungen mit städtebaulichen Verträgen, bei denen ökologische oder soziale Forderungen an die Baugenehmigung gekoppelt werden.
Letztendlich ist es also vor allem eine politische Frage, die von der Stadtregierung beantwortet werden muss.

26. Juni 2009