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Hausverwalter als "Sozialarbeiter" im Gemeindebau

"Die Presse" berichtet über die Wohnungssituation in Graz

Graz: Verwalter als „Sozialarbeiter“

In der steirischen Landeshauptstadt agieren Wohnhausverwalter als Bindeglied zwischen Mieter und Magistrat. Ausgliederungen werden nicht überlegt.

WIEN/GRAZ (stög.). In Graz, der zweitgrößten Stadt Österreichs, gibt es derzeit knapp 5500 Gemeindewohnungen. Für weitere rund 6300 Wohnungen – sogenannte „Übertragungswohnbauten“ – hat die Stadt Graz ein Vergaberecht. Sie wurden gefördert errichtet und stehen im Eigentum der Verwaltung einer gemeinnützigen Bauvereinigung.

Die Verwaltung und Betreuung der gemeindeeigenen Wohnungen liegt direkt bei der Stadt. Wohnbaustadträtin Elke Kahr (KPÖ) zur „Presse“: „Es läuft bei uns alles über die städtischen Wohnhausverwalter.“ Von denen gäbe es laut Kahr derzeit acht in Graz. Sie seien das Bindeglied zwischen Mieter und Magistrat. „Sie sind für die Bewohner praktisch Ansprechpartner in allen Angelegenheiten, die die Wohnung und die Betreuung der Anlagen betreffen“, erklärt Kahr. Sie würden in ihrer Tätigkeit „oft auch als Sozialarbeiter agieren“, berichtet die Politikerin.

Arbeiten würden nicht an Private ausgegliedert werden. „Das läuft alles über die Wirtschaftsbetriebe der Stadt“, erläutert Kahr.

„Siedlungsbetreuung“ ab Herbst
Die städtische Hausverwaltung betreut alle Wohnhäuser und Wohnungen im Eigentum der Stadt Graz. Die Tätigkeitsbereiche umfassen neben Mietvertragsabschluss, Mietzinsinkasso auch die Mediation zwischen den Mietern bei Problemen untereinander, Zustimmungen zu Veränderungen im Mietobjekt sowie Instandsetzungen und Reparaturen an den Wohnungen und Häusern.

Das Thema Gemeindewohnung war in den vergangenen Wahlkämpfen in Graz stets ein emotionales Thema: Kahrs Vorgänger als Wohnbaustadtrat, Ernest Kaltenegger, hatte während seiner Amtszeit eine umfassende Sanierungsoffensive veranlasst, wodurch zahlreiche Gemeindewohnungen auf einen annehmbaren Standard gebracht wurden. Die bessere Wohnqualität habe zu einer Durchmischung der Mieter geführt, heißt es.

Im Herbst soll dann ein, so Kahr, „schon seit langem gefordertes Projekt“ angegangen werden: Es soll eine „Siedlungsbetreuung“ eingerichtet werden. Damit soll dann – auch in den 6300 „Übertragungswohnbauten“ – eine noch stärkere Mieter-Betreuung möglich sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2008)

7. August 2008