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Im Kampf gegen die Sucht (Monogioudis)

Im Kampf gegen die Sucht

Zwei Jahre Basisarbeit in 49 Schulen und bei 849 LehrerInnen sowie in 20 Horten – das ist das Resümee von „Step by Step“, einem Programm zur Früherkennung von suchtgefährdeten Schülern in Graz.

ROBERT ENGELE

In 65 Prozent der Grazer Schulen sollten die Lehrer und Lehrerinnen nun „fit“ für den Umgang mit Suchtproblemen bei Schülern sein.

Denn in den letzten zwei Jahren wurden in 49 von 75 Schulen (ausgenommen waren nur die Volksschulen) durch das EU-Projekt „Step by Step“ schulinterne Handlungsmodelle entwickelt, die den Lehrern helfen, Suchtmissbrauchsfälle frühzeitig zu erkennen. Und in der Folge auch richtig zu reagieren. „Zu wissen, was zu tun ist, beruhigt“, stellt der Grazer Suchtkoordinator Ulf Zeder dazu fest.

Dieses Wissen war aber bisher der große Schwachpunkt: 40 Stunden pro Woche verbringen Schüler ab dem zehnten Lebensjahr über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren in der Schule. Die nicht nur der Ort des Lernens ist, sondern auch Spielwiese der persönlichen Entwicklung.

Gerade Lehrer sollten daher Veränderungen und Gefährdungen bei Jugendlichen frühzeitig erkennen können. Viele aber sind nicht ausreichend informiert, wenn es um Suchtmittelmissbrauch, Früherkennung, Gesprächsführung, die gesetzliche Situation und das Einleiten entsprechender Maßnahmen geht. „Oft wird deshalb zu spät oder nicht richtig interveniert und es gelingt nicht, Jugendliche rechtzeitig aus dieser Krisensituation herauszuführen“, erläutert Bernadette Jauschneg, Projektleiterin von „Step by Step“.

Da der Missbrauch von legalen sowie illegalen Substanzen heute immer früher geschieht, ist es nahe liegend, „dass die betroffenen Jugendlichen zum Teil noch Schüler sind“, betont Zeder.

Professionelle Reaktion

Prävention war daher dringend gefordert. Deshalb beschloss die Stadt Graz vor zwei Jahren, mit der Fachstelle für Suchtprävention (VIVID) und der Drogenberatungsstelle des Landes die Aktion „Step by Step“ als steirisches Pilotprojekt an Grazer Schulen durchzuführen, wie Gesundheitsstadträtin Wilfriede Monogioudis bei der Abschlusspräsentation berichtete.

Was so einfach klingt, war aber schwierig umzusetzen. Denn die Teilnahme einer Schule am Projekt „Step by Step“ bedeutet natürlich nicht das Eingeständnis, eine Drogenschule zu sein. Im Gegenteil: An diesen Schulen müssen sich Eltern viel weniger fürchten, dass im Anlassfall unprofessionell (über)reagiert wird, so Zeder. Und Anlässe sind auch in Graz jederzeit und überall gegeben (siehe Info-Kasten).

Auch die Statistik spiegelt eindeutig das Bedürfnis an kompetenten Interventionsgruppen in Schulen wider: Während vor Beginn des Projektes 16 Klienten zu 94 Beratungsgesprächen kamen, wurden 2003 bereits 222 Beratungsgespräche für 66 Klienten und 56 Angehörige durchgeführt.
(Kleine Zeitung) 13. 10.04

13. Oktober 2004