Nächste Bausünde in Graz: Alte Backsteinmauer abgerissen

"Die Entscheidung über den Umgang mit historisch wertvoller Bausubstanz darf nicht den Bauherren überlassen werden", so KPÖ-Altstadtschutzsprecherin Christine Braunersreuther.

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Obwohl anders versprochen: Das altehrwürdige Backsteinmauergebäude ist Schutt und Asche. (Foto: Elfriede Wolfsberger/Facebook)

Ein schönes, leider sehr seltenes Beispiel des Respektes vor alter, erhaltenswerter Bausubstanz, die sonst nicht unter Schutz steht!“ – als solches bezeichnete Dipl.-Dolm. Peter Laukhardt die ursprünglich im 2018 vorgestellten Bebauungsplan 04.32.0 vorgesehene Erhaltung der östlichen Werkhallenfassade der ehemaligen Fabrik Juhasz in der Neubaugasse. Auch auf den Renderings der IMMOLA Liegenschaftsverwertung und Projektentwicklungs GmbH war die Backsteinmauer deutlich zu sehen. Am Montag wurde die Backsteinmauer aber von der bauausführenden Firma plötzlich abgerissen.

KPÖ-Bezirksvorsteher-Stellvertreter Christian Carli, der aufgrund eines Hinweises auf der Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht wurde, sowie KPÖ-Altstadtschutzsprecherin Christine Braunersreuther zeigen sich schockiert.

Seitens des Bauherren wird argumentiert, dass der Abriss im Zuge der Errichtung der Tiefgarage erforderlich war, die Mauer aber danach wiedererrichtet werde. Da die Bausubstanz aber einfach zerstört wurde, sind große Zweifel berechtigt. „Solche Ziegel gibt es heute gar nicht mehr“, gibt Braunersreuther zu bedenken und folgert: „So etwas passiert, wenn man die Entscheidung über den Umgang mit historischer Bausubstanz den Bauherren überlässt, wo der Kostenfaktor alles entscheidet. Das Beispiel macht einmal mehr deutlich, wie wenig Verlass auf Renderings ist - und wie dringend wir sinnvolle Maßnahmen, wie die Ausweitung der Altstadtschutzzone, brauchen“, sieht sie dringenden Handlungsbedarf.

In Tirol hat das Land die Möglichkeit geschaffen, dass Gemeinden einzelne „charakteristische Bauten“ selbst definieren und in der Folge schützen können. „Bereits mehrmals haben wir auch die Erstellung eines Altstadtschutzkatasters gefordert, in welches schützenswerte Bau- und Flächensubstanz aufgenommen und auf dessen Basis sie speziell unter Schutz gestellt werden könnte. Doch das ist bis heute nicht geschehen. Die Zeit drängt“, sagt Braunersreuther. „Denn täglich geht wertvolle Bausubstanz unwiederbringlich verloren.“

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Christine Braunersreuther ist seit 2013 Gemeinderätin der KPÖ Graz und setzt sich vorallem für Altstadtschutz, Kultur, Frauen und Naturschutz ein.
E-Mail: christine.braunersreuther@stadt.graz.at

1. Juli 2020