Darum soll die Bim durch die Neutorgasse fahren

Kleine Entflechtung mit großer Wirkung

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So schaut die Entflechtung der Innenstadt aus.

Neben der Tram-Anbindung der neuen Stadtteile im Westen, Reininghaus und Smart City, soll nun auch die Innenstadt-Entflechtung bis 2022/23 umgesetzt werden. Was bringt das 25 Mio.-Euro-Projekt und ist damit die Südwest-Linie gestorben?

Die Achillesferse des Grazer Straßenbahnnetzes ist, dass alle Linien durch die Herrengasse fahren. Kommt es zu einem Störfall oder einer Unterbrechung, dann steht praktisch der gesamte Grazer Tram-Betrieb still. Naheliegende Lösung: Eine Innenstadt-Umfahrung oder -Entflechtung.

Ein derartiges Projekt ist seit Jahrzehnten am Tapet: Zuletzt als erste Etappe der Südwest-Linie (Linie 8) geplant, hat der Bürgermeister in diesem Frühjahr die Variante über den Griesplatz für nicht machbar erklärt. Tatsächlich hatte der Gemeinderat 2011 die Planung eben dieses Projekts  genehmigt und die Trasse festgelegt. Doch schon mit einer Abänderung 2014 – beschlossen gegen die KPÖ – begann man sich von dieser Variante zu verabschieden: Um den Autoverkehr weiter in der Brückenkopfgasse belassen zu können, wurde die Trasse geteilt,  stadteinwärts sollte über die Zweiglgasse gefahren werden. Gleichzeitig waren die Planungsmittel auf die Strecke Griesplatz – Rösselmühlgasse – Elisabethinergasse konzentriert, d.h. die „Entflechtung lang“ vom Gesamtvorhaben der  Südwest-Linie entkoppelt. Damit steuerte man aber auf ein Kapazitätsproblem zu: Nur die „Entflechtung lang“ ohne Südwest-Linie nach Don Bosco/Hummelkaserne zu bauen hieße, dass die bestehenden drei Buslinien nicht ersetzt werden können; spätestens dann, wenn die Herrengasse-Umleitung benötigt wird, würde es zwischen Bussen, Trams und weiterhin fließendem Autoverkehr eng werden.

Soweit der Hintergrund von Nagls Schwenk von der langen zur kurzen Innenstadtentflechtung. Betrachtet man nun die Variante Neutorgasse nur vom Standpunkt der Innenstadt-Entlastung her, dann ist diese sicher positiv zu beurteilen: Sie ist

  • rasch umsetzbar,
  • relativ günstig (auch wenn wahrscheinlich die Tegetthoffbrücke neu gebaut werden muss) und
  • sie bindet den Andreas-Hofer-Platz als künftigen Regionalbusbahnhof sowie das Universalmuseum Joanneum ans Straßenbahn-Netz an. Weil mit der Einbahnführung der Annenstraße die Kfz-Verkehrsdichte auf der Route durch die Neutorgasse abgenommen hat, ist
  • diese Streckenführung auch mit dem Autoverkehr leichter vereinbar.

Allerdings muss eines klar gesagt werden: die Notwendigkeit einer Straßenbahnerschließung in den Südwesten ist damit nicht vom Tisch. Im Lichte der Planänderungen muss allerdings die Trassenführung neu bewertet werden. Dies passiert im Rahmen der Überarbeitung des Netzkonzepts 2007 durch den Züricher ÖV-Experten Willi Hüsler, bei der auch die Netzerweiterung in den Nordwesten (Gösting) und die Uni-Tram (Verlegung der Linie 1 oder Neubau Linie 2) auf dem Prüfstand sind. Die Ergebnisse sollten dann Grundlage für eine neue Prioritätenreihung und das nächste Straßenbahnausbau-Paket sein.

9. November 2017