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Kapitalismus mit Hipster-Bart

KPÖ-Krotzer gegen unbezahlte Praktika in städtischen Immobilien

Bei einem „Festival für Vordenker“ werden zwischen 749 und 2.990 Euro Eintritt verlangt. Wer dort ein Volontariat macht, tut das wahrscheinlich ohne Entlohnung.

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Am 16. und 17. Juni findet in der Grazer Stadthalle das „Fifteen Seconds Festival“ statt, das sich selbst als „Europas Festival für Vordenker“ bezeichnet und wirtschaftliche Führungskräfte versammeln will. Während ein Festival-Pass für zwei Tage stolze 749 Euro kostet und ein sogenannter „Patron Pass“ gar für 2.990 Euro zu erwerben ist, scheinen die Bedingungen für die Beschäftigten deutlich weniger großzügig gestaltet zu sein.

Auf der Website des Veranstalters werden „junge und junggebliebene Menschen“ für ein Volontariat gesucht, deren zweiter und dritter Vorname „kommunikativ“ und „Stressresistenz“ sein soll, deren Motivation „auch sonntags nicht im Keller ist“ und deren Nachbarn „keinen Schreck bekommen, wenn sie das Haus verlassen“ (!) – so die Veranstalter wörtlich. Geboten wird dafür in hochtrabenden Worten unter anderem ein „exklusives Netzwerk“, ein persönliches Referenzschreiben oder auch die Teilnahme an der „‘We fuckin‘ made it‘-Teamparty“. Kein Wort findet sich auf der Homepage jedoch von einer Bezahlung, weshalb davon auszugehen ist, dass hier eine umfassende Arbeitsleistung eingefordert wird, ohne dass diese entlohnt wird.

„Gerade in Zeiten massiver Arbeitslosigkeit und der dramatischen Zunahme prekärer Beschäftigungsformen, ist es zynisch, wenn selbsternannte „Vordenker“ unbezahlte Beschäftigungsverhältnisse – mit schönen Worten umschrieben – praktizieren“, sagt KPÖ-Gemeinderat Robert Krotzer.

Graz könne als Universitätsstadt und Wohnort von zehntausenden Studierenden und StudienabsolventInnen die mit dem geschilderten Phänomen einhergehenden existenziellen Sorgen von mehr und mehr jungen Menschen nicht ignorieren. „Ob der Kapitalismus mit Monokel und Zigarre ausgestattet ist oder mit Hipster-Bart daherkommt – am Ausbeutungsverhältnis ändert sich nichts“, so Krotzer.

Er wird das Thema am Donnerstag im Gemeinderat auf’s Tapet bringen. Von Beteiligungs­stadtrat Gerhard Rüsch (ÖVP) will er wissen, welche Möglichkeiten er sieht, dass bei Veranstaltungen in Immobilien, die sich mehrheitlich im Besitz der Stadt Graz befinden, Beschäftigungsverhältnisse unterbunden werden, die keine Entlohnung vorsehen.

14. Juni 2016