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„Keine Bezirkskaiser – Jakomini ist demokratiepolitisch beispielhaft“

Der Kommunist Lubomir Surnev ist neuer Bezirksvorsteher in Graz-Jakomini

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Mit 28 Jahren ist Lubomir Surnev der jüngste Bezirksvorsteher Österreichs.

Lubomir Surnev wurde gestern im vierten Wahlgang mit deutlicher Mehrheit zum Bezirksvor­steher in Graz-Jakomini gewählt. Er folgt – gemäß der Vereinbarung der Bezirksparteien von SPÖ, Grünen und KPÖ – dem Grünen Gerald Kuhn nach. Der Kommunist wurde mit nur einer Gegenstimme gewählt. Die ÖVP blieb der Wahl fern, was Surnev bedauert. Immerhin ist Klaus Strobl stellvertretender Bezirksvorsteher und bekommt dafür auch ein Gehalt. Ein unentschuldigtes Fernbleiben ist in diesem Fall besonders verwunderlich. „Unsere Hand bleibt weiter ausgestreckt“, so der 28-Jährige. „Es wäre schön, wenn die ÖVP aus dem Schmollwinkel kommen und wieder die Interessen des Bezirks in den Mittelpunkt stellen würde. Dazu braucht es mehr als das Bombardieren der Bezirksratssitzungen mit Kleinkram-Anträgen, die mit einem Telefonat erledigt sein könnten. Es braucht ein konkretes Miteinander.“

Der sechste Grazer Bezirk ist nicht nur der bevölkerungsreichste, sondern auch der mit dem wenigsten Grünraum. Surnev findet daher die Beibehaltung des bisherigen Kurses des Bezirksratskollegiums über alle Fraktionsgrenzen hinweg bespielhaft. Der Bezirksrat hatte in den letzten zwei Jahren zu den Änderungen im Flächenwidmungsplan und den damit zusammenhängenden Bebauungsplänen immer wieder darauf gedrängt, die prekäre Lage in den dichtbesiedelten Grätzln zu entschärfen. Unter Einbindung der Bezirksbevölkerung wurde versucht, die Entscheidungsträger der Stadt Graz zum Überdenken ihrer Vorhaben zu bringen. Der neue Bezirksvorsteher erwähnte in diesem Zusammenhang auch die anstehenden Pläne rund ums geplante Murkraftwerk. Die jahrelange Bauphase wird auch für viele Bezirksbewohnerinnen und Bewohnern in Jakomini Belastungen mit sich bringen

„Die Vereinbarung zwischen den Fraktionen der SPÖ, den Grünen und der KPÖ, ist zwar durch die jährlichen Neu-Wahlen des Bezirksvorstehers ungewöhnlich, das Fehlen eines „Bezirkskaisers“ und die Möglichkeit die Bezirksvertretung durch unterschiedliche Handschriften möglichst breit zu gestalten, ist demokratiepolitisch sicherlich positiv“, sagte Bezirksvorsteher Surnev in seiner Antrittsrede.

28. September 2016