Archivierte Artikel: Die enthaltenen Informationen sind möglicherweise veraltet.

KPÖ half mit: Keiler fliegen aus Flughafenrestaurant

Ankündigung einer Gemeinderatsanfrage zeigte Wirkung

Keiler „fliegen“ aus dem Grazer Flughafen

Nicht nur Betroffene engagieren sich gegen die Seminar-Keiler. Jetzt schaltet sich auch KPÖ ein. Vertrag am Flughafen wird gekündigt.

Ich habe den jüngsten Artikel der Kleinen Zeitung über die Seminar-Keiler in Unterpremstätten aufgehängt, um Einsteiger zu warnen. Daraufhin sind mir zwei Burschen mit dem Auto aggressiv nachgefahren und haben mich bedroht“, erzählt der Grazer Karl Kröll, der sich wie ein Berliner seit Monaten gegen die Initiatoren dieses Systems, das ähnlich wie ein Pyramidenspiel funktioniert, engagiert. Kröll kam durch eine Freundin mit den Machenschaften der Unternehmen, die mit der Seminar-Masche unterwegs sind, in Berührung und war selbst bei einer Veranstaltung dabei. „Darüber wurde ein Bericht in der Sendung ,Konkret‘ im ORF ausgestrahlt.“

Kröll wurde schon einmal von einem Porsche auf der Autobahn verfolgt: Auch diesmal fühlte er sich von den beiden Burschen bedrängt. „Daher blieb ich stehen und fragte, was los sei. Einer meinte, er haue mir eine runter, worauf ich sagte: ,Dann musst’ schon aussteigen.‘ Schließlich sind die beiden weitergefahren“, schildert Kröll, der sich kürzlich auch bei der Gemeinde Unterpremstätten und der Firma Porr beschwerte, weil im Schwarzl Freizeitzentrum seit längerem Räume für die Werbeveranstaltungen der Keiler zur Verfügung gestellt werden. „Man hat mir eine Überprüfung zugesagt.“

Wie ausführlich berichtet, funktioniert die Sache so: Anfangs sind rund 5700 Euro zu bezahlen und danach weitere Teilnehmer anzuwerben, die in Geschäftskleidung zu den Vorträgen geholt werden. Als „bescheidene“ Gegenleistung werden Seminare angeboten, wobei fast alle Einsteiger zugeben, dass sie nur mitmachen, um viel Geld zu verdienen. Schließlich wird ein Verdienst von mehreren Hunderttausend Euro in wenigen Monaten in Aussicht gestellt.

„Ich habe schon vor längerem Wolfgang Malik von den Grazer Stadtwerken informiert, dass solche Veranstaltungen einer Schweizer Firma im Grazer Flughafen stattfinden. Er hat mir zugesagt, sich darum zu kümmern, aber es ist nichts passiert“, so Kröll, der sich ärgert, dass die Verträge nicht gekündigt wurden. „Hat das die Stadt Graz als Eigentümer der Stadtwerke und damit des Flughafens notwendig, so Geld zu verdienen?“, wollte er im Bürgermeisterbüro wissen, zudem hat er sich an KPÖ-Klubobmann Ernest Kaltenegger gewandt. „Es kann nicht sein, dass Räumlichkeiten, die im öffentlichen Eigentum stehen, auch wenn die Stadtwerke eine AG sind, für dubiose Geschichten zur Verfügung gestellt werden“, meint Kaltenegger. Kommende Woche wird im Grazer Gemeinderat eine Anfrage an Bürgermeister Siegfried Nagl gerichtet.

Gestern kam nochmals Bewegung in die Sache. „Ich wurde aus dem Rathaus und vom Flughafen angerufen: die Verträge werden nun fristlos gekündigt“, freute sich Kröll.

Kleine Zeitung, Region Weststeier 17.10.09

19. Oktober 2009