KPÖ: Impflicht überdenken!

Grippeimpfung.jpg

„Die Verantwortung für die überschaubare bundesweite Impfquote von 73,2 Prozent nun durch eine verpflichtende Impfung auf die Bevölkerung abzuwälzen, kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein“, findet der Grazer Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ).

„Angesichts der pandemischen Entwicklung, der vielen bürokratischen Pannen und der hitzigen gesellschaftlichen Debatte appelliere ich erneut an die Bundesregierung, das Gesetz über die Impfpflicht zurück zu nehmen. Alle Beteiligten sollten nochmals hinterfragen, ob die in einer Ho-Ruck-Aktion im November paktierte Impfpflicht tatsächlich zielführend ist oder ob es nicht gelindere Mittel gibt, die Impfquote zu erhöhen“, so Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ).

Er erinnert zugleich daran, dass unter Federführung des Bundeskanzleramts die Impf-Kampagne über die entscheidenden Monate im Sommer und Herbst 2021 weitgehend stillstand – mit den bekannten Folgen. Die Verantwortung für die überschaubare bundesweite Impfquote von 73,2 Prozent nun durch eine verpflichtende Impfung auf die Bevölkerung abzuwälzen, kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Viel wichtiger wäre hier eine verstärkte und intensivierte Aufklärung. Die Stadt Graz war und ist bemüht, mit vielen Angeboten die Impfung zu den Menschen zu bringen: „Dabei haben wir in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe niederschwelliger Impfangebote in Grazer Stadtvierteln organisiert: In der Josefkirche, im Orpheum, in Bibliotheken, in der Moschee, in Studierendenheimen, in den Stadtteilzentren sowie mittels Impfbus an zahlreichen Standorten in ganz Graz, etwa am Lendplatz, am Andritzer Hauptplatz am Europaplatz oder am Hofbauerplatz“, führt Krotzer dazu weiter aus. Die aktuellen Termine finden Sie auf der Homepage der Stadt Graz.

Darüber hinaus wird es wichtig sein, das Angebot einer kostenlosen Impfung kontinuierlich aufrecht zu erhalten. Hierfür bedarf es jedoch keiner Hauruckaktionen wie einer undurchdachten Impfpflicht unter Androhung von Strafen, sondern Beständigkeit und einer klaren, nachvollziehbaren Kommunikation. Sollte das angekündigte Gesetz bezüglich Impf-Prämie für Gemeinden tatsächlich in Kraft treten, wird die Stadt dieses analysieren und entsprechend darauf reagieren. „Allerdings zweifle ich daran, dass eine kurzfristige Impfkampagne tatsächlich derart erfolgreich sein kann, angesichts der bereits bestehenden vielfältigen Angebote – und vor dem Hintergrund der gestern angekündigten Lockerungen mit weitgehender Rücknahme bzw. Aufhebung von 2G-Regelungen“, so der Grazer Gesundheitsstadtrat.

Zudem müssen wir unser Augenmerk auch der gesamtgesellschaftlichen Situation widmen. Die Corona-Pandemie droht sich sonst zu einer psychosozialen und sozialökonomischen Pandemie auszuweiten. Bereits jetzt ist die Anzahl von Personen mit psychischen Erkrankungen stark angestiegen, ebenso die Zahl jener, die von sozialem und ökonomischen Abstieg betroffen sind. Einsamkeit, Depression, drohende Obdachlosigkeit oder Ängste, wie man sich nächsten Winter die Heizung leisten sollen betreffen immer mehr Menschen – ihnen zu helfen sollte die vordringlichste Aufgabe sein, um eine weitere Spaltung der Gesellschaft zu verhindern.

17. Februar 2022