Massentests ohne Unterstützung beim Contact Tracing sind nur PR-Gag

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Die angekündigten Massentests sind lediglich PR-Schnellschüsse des Bundeskanzlers, wenn nicht endlich die Bezirkshauptmannschaften und Magistrate konkret unterstützt werden, kritisiert der Grazer Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ).

Während viele Pflegeheime immer noch über einen eklatanten Engpass an Schnelltests klagen, weil die zugesicherten Kontingente spät und nicht ausreichend eintreffen, lässt Bundeskanzler Kurz mit Plänen für Massentestungen aufhorchen.

Derzeit ist in Österreich von einer Dunkelziffer von bis zu 3 Prozent der Bevölkerung auszugehen, die aktuell mit dem Covid-Virus infiziert ist. „Was das für das Contact Tracing bedeutet, ist klar. Doch immer noch und wieder einmal lässt die Bundesregierung die lokalen Behörden im Stich“, kritisiert der Grazer Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ).

Die Massentests werden viele bislang unerkannte Infektionen erkennen. Jeder einzelne Fall braucht einen Bescheid. Und jeder und jede einzelne Infizierte hat Kontakte gehabt, die genau nachverfolgt werden müssen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Das sollte möglichst schnell gehen und dazu braucht es ausreichend Personal.

„Gerade erst konnte ein Großteil der Rückstaus abgebaut werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen – trotz kontinuierlicher Aufstockung in Graz – seit mittlerweile mehr als acht Monaten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit“, erklärt Krotzer.

Als die Behörden im Sommer aus den Medien erfahren haben, dass Urlauber und Urlauberinnen aus Kroatien sich kostenlos testen lassen können, konnten sie dem Ansturm und den Folgen beim Contact Tracing gerade noch standhalten. „Jetzt hat man den Eindruck, dass selbst der Gesundheitsminister erst aus der Pressestunde mit Bundeskanzler Kurz von den Massentests erfahren hat“, kritisiert der Stadtrat: „Ohne dass sich die Bundesregierung endlich substanziell beim Contact Tracing einschaltet, wird die Pandemie nicht in den Griff zu bekommen sein. Das Thema ist zu ernst für PR-Schnellschüsse des Bundeskanzlers, nach denen er sich zurücklehnt und die Bezirkshauptmannschaften und Magistrate sehenden Auges der Überforderung überlässt.“
 

Ungehörte Warnungen

In Deutschland sind die Zahlen zwar angestiegen, aber nie explodiert, wie es in Österreich geschehen ist. Das hat auch damit zu tun, dass die deutsche Regierung bereits am 15. April (!) den Beschluss gefasst hat, jeweils ein fünfköpfiges Contact-Tracing-Team pro 20.000 Einwohner zu installieren.

Nach der Schaltung der Ampel auf Gelb ist es magistratsintern zu einer Personalaufstockung beim Contact Tracing gekommen. „Dafür darf ich mich beim Bürgermeister, beim Bürgermeister-Stellvertreter, dem Magistratsdirektor sowie den Verantwortlichen der städtischen Beteiligungen bedanken. Die Bezirkshauptmannschaften hatten dieses Glück nicht“, so Krotzer.

Bereits Ende Juni hatte sich der Grazer Gesundheitsstadtrat in einem offenen Brief an Bundeskanzler Kurz und Gesundheitsminister Anschober gewandt, um auf die Überlastung des Gesundheitsamts hinzuweisen. Im September hatte Krotzer erneut in einem dringenden Appell vor dem Offensichtlichen gewarnt. Das aktuelle Debakel ist von der hausgemacht“, so Krotzer. „Die Bundesregierung hat die lokalen Behörden allein gelassen – und lässt sie weiterhin allein. Dabei würde jeder in Contact Tracing investierte Euro ein Vielfaches an Kosten durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Einschränkungen ersparen“, betont Krotzer erneut.

 

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„Jeder in Contact Tracing investierte Euro spart ein Vielfaches an Kosten durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Einschränkungen ersparen“, betont Robert Krotzer erneut.

20. November 2020