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Massive Einschnitte bei der Betreuung von Menschen mit Behinderung

Stadträtin Elke Kahr: "Die Betreuung wird auf die Familie abgewälzt."

Stadträtin Elke Kahr hat Bedenken gegenüber den Plänen von Stadtrat Kurt Hohensinner, der die SRO im Bereich der Behindertenhilfe einführen will: „Sieben Jahre nach der Einführung der SRO in der Kinder- und Jugendwohlfahrt ist ersichtlich, dass das Konzept auch als Einsparungsmaßnahme mit weitreichenden sozialen Folgen angesehen wird.“

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Menschen mit Behinderung und deren Familien werden alleine gelassen.

In der Sozialraumorientierung (SRO) ist vor allem die Ressourcenorientierung ein zentraler Begriff. Damit ist gemeint, dass in erster Linie im direkten Umfeld der betroffenen Menschen – sprich Familie, Freunde, Nachbarn – nach „Lösungen“ gesucht werden soll. Da die Arbeit einfach an das direkte Umfeld der Betroffenen abgeschoben wird, anstatt diese Fälle selbst zu betreuen, kommt es zu Einsparungen im Amt für Kinder und Jugend. Die Fälle im Kinder- und Jugendbereich wurden um fast die Hälfte reduziert.

 

Im Bereich der Behindertenhilfe würde die SRO bedeuten, dass auch hier vor allem Familienmitglieder verstärkt in die Pflicht genommen werden und die Arbeit und die Verantwortung vom Sozialamt auf die betroffenen Familien übertragen wird. „So werden ganze Familien noch stärker an den Rand der Gesellschaft gedrängt und mit ihren Problemen alleine gelassen.“ zeigt sich Kahr besorgt über die drohenden Auswirkungen.

 

Im Deckmantel schicker Begriffe wie „Passgenauigkeit“, „Eigeninitiative und Selbsthilfe“, „Ressourcenorientierung“ werden Strukturen und Logik privatwirtschaftlicher Unternehmen übernommen, die sich in erster Linie an der Profitmaximierung orientieren. Das steht klar im Widerspruch zu einer öffentlichen Einrichtung mit sozialem Auftrag im Interesse der Betroffenen.

 

„Generell habe ich absolut nichts gegen Sparen, nur darf nicht am Dienst für die Menschen gespart werden und schon gar nicht an Menschen mit Behinderungen und deren Familien.“ verleiht Kahr ihren Sorgen Ausdruck

8. Mai 2017