Mittagessen für alle Pflichtschulkinder
Kurt Hohensinner ignoriert einstimmigen Gemeinderatsbeschluss
In Graz haben Eltern, die ihr Kind in einer städtischen Pflichtschule mit getrennter Tagesform anmelden, bisher zwei Möglichkeiten: Entweder sie melden ihr Kind zur Nachmittagsbetreuung an, im Rahmen dessen die Kinder ein Mittagsessen bekommen oder ihr Kind wird unmittelbar nach der Schule abgeholt, ohne ein Mittagessen konsumieren zu können. Daher zeigt sich bei vielen Grazer Familien ein zusätzlicher Bedarf – nämlich die Möglichkeit, dass Eltern die Kinder nach dem betreuten Mittagsessen abholen können, ohne dass dadurch zwingend eine Anmeldung für die restliche Betreuungszeit erforderlich ist.
Auf Antrag von KPÖ-Bildungssprecherin Mina Naghibi wurde Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) im März vom Gemeinderat beauftragt, ein Modell zu erarbeiten, dass es Familien kostenneutral ermöglicht, ein Mittagessen auch ohne Nachmittagsbetreuung in Anspruch zu nehmen. Der Antrag wurde damals einstimmig – also auch mit den Stimmen der ÖVP – angenommen.
Umso enttäuschender war Hohensinners Reaktion auf die heutige Nachfrage im Gemeinderat, was aus dem beauftragten Modell geworden ist. „An eine Umsetzung denkt der Bildungsstadtrat nicht, weil er kein Budget dafür habe – dass einzelne Schulen solche Angebote von sich aus schon anbieten, ignoriert beziehungsweise unterschlägt er dabei völlig. Auch den Fakt, dass die Kosten für das Mittagessen ohnehin von den Eltern getragen werden“, kritisiert Naghibi.
Erschwerend kommt hinzu, dass sehr viele Grazer Familien unabhängig davon, ob ihr Kind am jeweiligen Tag nach der Schule abgeholt wird oder danach in die Nachmittagsbetreuung geht, die Kosten für das Mittagessen zu tragen haben. Egal ob ihr Kind es konsumieren kann, weil es anschließend in der Nachmittagsbetreuung bleibt, oder nach der Schule gehen muss, weil es zum Beispiel einmal wöchentlich einen externen Kurs wahrnimmt.
„Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner leugnet diese Umstände und ignoriert wissentlich einen einstimmig beschlossenen Antrag, der darauf abgezielt hat, die Situation für Grazer Familien zu verbessern“, so Naghibi.
Veröffentlicht: 23. Oktober 2026