Pflege braucht Lösungen – keine Ablenkungsmanöver

Die Debatte rund um die mobile Pflege in der Steiermark zeigt vor allem eines: Der Druck im Pflegesystem wächst seit Jahren. Einfache Lösungen gibt es keine und die angeblichen großen Würfe der letzten ÖVP-SPÖ Landesregierung haben keine Verbesserung gebracht.

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Trotz jahrzehntelanger eigener Zuständigkeit versucht die ÖVP nun, die Verantwortung dafür auf einzelne Städte und Gemeinden abzuschieben. Insbesondere ÖVP-Landesrat Kornhäusl versucht mit diesem Thema den Grazer Wahlkampf mitzuführen. Der Grazer KPÖ-Pflegestadtrat Robert Krotzer weist die Angriffe von Landesrat Karlheinz Kornhäusl auf die Stadt Graz deshalb klar zurück. Denn die Behauptung, Graz würde dabei zusehen, wenn Pflegestunden in der mobilen Hauskrankenpflege nicht abgeholt werden, lenkt von den wahren Problemen ab.

Wie funktioniert die mobile in der Steiermark?

Die Logik der mobilen Pflege in der Steiermark klingt kompliziert – ist aber eigentlich einfach erklärt.

Das Land Steiermark berechnet den Bedarf und legt fest, wie viele Pflegestunden pro Bezirk vorgesehen sind. Die Trägerorganisationen bekommen zu Jahresbeginn ihre Kontingente zugeteilt – also vereinfacht gesagt: wie viele Stunden mobile Pflege sie im jeweiligen Jahr erbringen können.

Am Jahresende melden die Träger zurück, wie viele dieser Stunden tatsächlich erbracht werden konnten. Nicht verbrauchte Stunden gehen an das Land zurück. Der Hauptgrund dafür ist oft nicht fehlender Bedarf, sondern fehlendes Personal oder mangelnde Erbringbarkeit unter den bestehenden Bedingungen.

Wichtig ist dabei:
Die Städte und Gemeinden vergeben diese Stunden nicht selbst! Und die Differenz zwischen geplanten und erbrachten HKP-Stunden gibt in allen steirischen Bezirken. Angekreidet wird sie von verantwortlichem Landesrat aber nur in der KPÖ-geführten Stadt Graz. Ob das mit der von der KPÖ initiierten Protestbewegung gegen die von Blau-Schwarz geplanten Senkung des Pflege-Schlüssels zu tun hat?  

Der eigentliche Streitpunkt: Bedarf ist nicht automatisch Versorgung

Genau hier liegt das Kernproblem der aktuellen Debatte.

Der Bedarfs- und Entwicklungsplan Pflege Steiermark 2030 beschreibt einen deutlichen Ausbau der mobilen Pflege in den kommenden Jahren. Das Land rechnet selbst mit steigenden Bedarfen und zusätzlichen notwendigen Pflegestunden.

Offen bleibt jedoch eine entscheidende Frage:
Wie sollen diese Leistungen unter den realen Bedingungen tatsächlich erbracht werden?

Denn:
Pflegestunden auf dem Papier bedeuten noch nicht automatisch Pflege im Alltag.

Wenn Personal fehlt, Dienste nicht besetzt werden können oder Beschäftigte den Beruf verlassen, dann helfen auch steigende Sollzahlen allein nicht weiter.

Die Personalfrage wird zur entscheidenden Zukunftsfrage

Genau darauf weist auch die Pflegepersonalbedarfsprognose des Landes hin. Sie zeigt, dass die Steiermark in den kommenden Jahren tausende zusätzliche Pflegekräfte benötigen wird – gleichzeitig aber schon heute mit Personalmangel, Teilzeitdruck und Berufsausstiegen kämpft.

Die eigentliche Herausforderung lautet deshalb:
Wie kann verhindert werden, dass der Abstand zwischen geplantem Bedarf und tatsächlich möglicher Versorgung immer größer wird?

Offen bleibt weiterhin, wie viele Pflegekräfte tatsächlich benötigt werden, wie sie langfristig im Beruf gehalten werden können, wie bessere Arbeitsbedingungen geschaffen und Regionen mit Personalmangel versorgt werden sollen sowie wie überprüft wird, ob geplante Pflegestunden überhaupt realistisch erbracht werden können.

Von der FPÖ/ÖVP Landesregierung und dem zuständigen Landesrat Kornhäusl hört man aber weiter nur Vertröstungen, wie der Stillstand beim „Masterplan Pflege“ zeigt, der schon im Februar 2026 versprochen wurde.

Graz setzt seit Jahren konkrete Maßnahmen

Während andere vor allem Schlagzeilen produzieren, wurden in Graz konkrete Verbesserungen umgesetzt.

  • Ein Beispiel dafür ist das Grazer Klient:innentarifmodell. Es wurde ursprünglich in Graz entwickelt, damit Menschen trotz Pflegekosten zumindest die Mindestpension bleibt. Später wurde dieses Modell vom Land übernommen.
  • Auch die Pflegedrehscheibe Graz wurde weiter ausgebaut, damit Betroffene und Angehörige rascher die passende Unterstützung finden. Gerade in einem immer komplizierteren Pflegesystem braucht es Orientierung und schnelle Hilfe statt zusätzlicher Hürden.
  • Ein weiterer Schwerpunkt ist das Projekt „Pflege ist mehr“, dass die Stadt Graz gemeinsam mit den Trägern der Hauskrankenpflege entwickelt hat und dem bfi Steiermark umsetzt. Dabei erhalten Interessierte die Möglichkeit, einen Monat lang unterschiedliche Pflegeberufe kennenzulernen – von Heimhilfe über Pflegeassistenz bis zur diplomierten Pflege. Der Orientierungsmonat verbindet Theorie und praktische Einblicke in Pflegeheime und mobile Dienste und soll Menschen beim Ein- oder Umstieg in Pflegeberufe unterstützen. Das Angebot wird vollständig von der Stadt Graz finanziert und läuft mittlerweile bereits im vierten Jahr.

Pflege braucht endlich transparente Planung

Die aktuelle Debatte zeigt vor allem eines:
Die Steiermark braucht eine realitätsnähere Pflegeplanung.

Der Bedarf allein ist längst bekannt. Entscheidend ist inzwischen die Frage, wie Versorgung unter realen Bedingungen tatsächlich sichergestellt werden kann und wie man die eigenen Vorgaben erreichen möchte. Damit die FPÖ/ÖVP Landesreiguner in die Gänge kommt, hat auch der Arbeitskreis Gesundheit einen Masterplan der Pflege verfasst und präsentiert. Was die konkreten Schritte sind die Veränderung vom Papiers ans Bett bringen könnten lesen Sie hier:

https://www.kpoe-steiermark.at/masterplan-der-pflege.phtml

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Veröffentlicht: 29. Mai 2026