Pflege: So erschütternd urteilt OECD-Studie über Österreich

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In Österreich sind die Arbeitsbedingen im OECD-Vergleich besonders hart. In der Steiermark werden dringend nötige Verbesserungen auf die lange Bank geschoben. (Foto: Gina Sanders, Fotolia)

Eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung über die Situation in der Pflege rüttelt auf. Während im OECD-Schnitt 15 Prozent über Gesundheitsprobleme in Zusammenhang mit ihrem Arbeitsplatz sprechen, sind es in Österreich 35 Prozent.

Rund 90 Prozent der Pfleger und Pflegerinnen in Österreich geben an, dass sie bei ihrer Arbeit einem besonderen Risiko ausgesetzt sind, der OECD-Durchschnitt liegt bei 64 Prozent.

„Angesichts der harten Arbeitsrealität ist klar, warum es immer schwerer wird, Menschen für Pflegeberufe zu begeistern“, betont der Grazer Pflegestadtrat Robert Krotzer (KPÖ).

Die Studie “Who Cares? Attracting and Retaining Care Workers for the Elderly” bestätigt, dass kürzere Arbeitszeiten, mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Entlohnung ein Gebot der Stunde sind – sowohl für die Beschäftigten als auch für die Gepflegten. „Da wurde bei den Kollektivvertragsverhandlungen leichtfertig die wichtige Chance vertan, Verbesserungen endlich durchzusetzen“, so Krotzer.
 

Betreuungsschlüssel: Kritik an Verzögerungen im Land

Im Land Steiermark hingegen steht ÖVP-Pflege-Landesrätin Juliane Bogner-Strauß bei Verbesserungen auf der Bremse: die für Februar vereinbarte Anhebung des Betreuungsschlüssels in den steirischen Pflegeheimen wurde aufgeschoben. Dabei hat kein anderes Bundesland so viele private – also profitorientierte – Pflegeheime wie die Steiermark.

„Wenn die Corona-Pandemie eines gezeigt hat, dann das: Es braucht endlich grundsätzliche und grundlegende Veränderungen“, betont Krotzer abschließend. „Danke braucht Gerechtigkeit“.

23. Juni 2020