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Puchsteg Neu: Ein Brücke die nichts verbindet.

Ob­wohl die Ver­hand­lun­gen rund um den Puch­s­teg zur Bürgermeister-Chef­sa­che er­klärt wor­den sind, gibt es noch im­mer kei­ne Lö­sung.

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Der Puchsteg: Seit knapp einem Jahr errichtet, darf aber noch immer nicht benutzt werden. (c)ServusTV - Screenshot

Im Zuge des Baus des Murkraftwerks wurde der alte Puchsteg abgerissen und sollte innerhalb von einem Jahr durch die EStAG neu errichtet werden. Die Stadt zahlte ihrerseits sogar 480.000,- Euro dazu. Die EStAG hielt sich an die vertragliche Vereinbarung und baute den neuen Steg zeitgerecht. Doch die Stadt Graz hat es verabsäumt, sich vorab mit dem Grundstückseigentümer an der am östlichen Ende des Stegs über einen öffentlichen Rad- und Gehweg zu einigen. Pikant dabei: Wäre der Puchsteg 5 Meter (!) südlich errichtet worden - was laut EStAG kein Problem gewesen wäre - würde die Rampe auf öffentlichen Grund liegen und somit schon längst benutzbar sein.

Ein Kommentar dazu von Gemeinderat Horst Alic.

Überall auf der Welt stehen Brücken, um zu verbinden. Der Grazer Puchsteg nicht.

Hier hat man es tatsächlich geschafft einer Brücke das Wesentliche zu nehmen – nämlich das Verbindende.

Der Stadt fehlt nämlich die Benutzungsberechtigung auf Seite der Seifenfabrik. Laut Aussage eines VP-Gemeinderates in der gestrigen Sitzung, sei die ÖVP eine Partei des Verbindens. Vielleicht war hier wohl Partei der Verbindungen gemeint. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die Brücke zwar auf beiden Ufern aufliegt, den Grazer und Grazerinnen aber seit knapp einem Jahr nicht zur Verfügung steht. Bürgermeister Nagl, der die ins Stocken geratene Verhandlung letzten September zur Chefsach erklärt hat, wird dem Grundstücksbesitzer wohl noch einige Zugeständnisse machen müssen, um diesen Unfug endlich zu beenden.

Vor etwa 150 Jahren wurden auf diesem Areal die Fäkalien der Stadt gesammelt. Möglich, dass es deshalb an diesem Standort noch etwas faul riecht. Für Fachleute aus dem Kanalbau gibt es zwei fixe Größen in Zusammenhang mit Fäkalien: Sie rinnen immer nach unten und irgendjemand wird sie wegräumen müssen. In diesem Fall ist das wohl der Steuerzahler.

Ihr Horst Alic

PS: Nachdem in der gestrigen Gemeinderatssitzung ÖVP und FPÖ ein klares und weitreichendes Zeichen der Stadt Graz für die Akzeptanz und Toleranz der LGBTQ-Community im Zuge des Pride-Monat ablehnten, dürfte der neue Puchsteg ein Symbol dafür sein, wie schwer sich die Rathauskoalition mit dem Verbinden von Ufern tut.

 

Zum Nachschauen:
Bericht in ServusTV (18.06.2020)

19. Juni 2020