Trauer um Maria Cäsar

(1920–2017)

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In tiefer Trauer müssen wir den Tod unserer Genossin Maria Cäsar bekanntgeben.
Maria Cäsar ist wenige Tage vor ihrem 97. Geburtstag, am 2. September verstorben. Die ehemalige Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus wurde vielfach für ihre Leistungen im Kampf für ein demokratisches Österreich ausgezeichnet, darunter mit dem Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs und dem Menschenrechtspreis des Landes Steiermark. Sie trug den Ehrentitel Bürgerin der Stadt Graz, das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark sowie das Silberne Verdienstzeichen der Republik Österreich. Der KPÖ war sie ihr Leben lang verbunden.

Maria Cäsar wurde am 13. September 1920 in Prevalje, Slowenien, geboren und verbrachte ihre Kindheit in Judenburg, wo ihr Vater als Arbeiter im Stahlwerk beschäftigt war. In Judenburg lernte Maria Cäsar die Not der Zwischenkriegszeit kennen. Politisch war sie zunächst bei den Roten Falken, nach dem 12. Februar 1934 beim Kommunistischen Jugendverband (KJV) aktiv und leistete in der Zeit des Austrofaschismus politische Arbeit im Untergrund.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde sie am 23. Mai 1939 sie von der Gestapo verhaftet und 14 Monate lang im Landesgericht Graz in Untersuchungshaft festgehalten. Unmittelbar nach ihrer Enthaftung heiratete sie. Ihr erster Mann, der wie sie Mitglied einer Widerstandsgruppe war, fiel als Soldat im Jahr 1943. Maria Cäsar knüpfte Kontakte zu den jugoslawischen Partisanen und zum Widerstand in Judenburg. Als 1944 politische Mitstreiter verhaftet wurden, versteckte sie sich bei Verwandten in Slowenien.

Nach der Befreiung Österreichs arbeitete sie aktiv in den Reihen der KPÖ für eine demokratische und sozialistische Entwicklung unseres Landes und trat besonders für die Rechte der Frauen, für Frieden und militärische Abrüstung ein.

1950 zog sie von Judenburg nach Graz und leistete als Mitglied der KPÖ-Bezirksleitung Graz, der KPÖ-Landesleitung Steiermark und auch des Zentralkomitees der KPÖ wichtige Beiträge zur Entwicklung der Partei. Im Bund Demokratischer Frauen (BDF) trat sie stets dafür ein, politisch interessierte Frauen in die Bewegung für die Gleichstellung von Männern und Frauen einzubeziehen.

Nach ihrer Pensionierung widmete sie sich der Tätigkeit im KZ-Verband, dessen Landesvorsitzende sie viele Jahre lang war, und konnte als Zeitzeugin an Schulen und in der Öffentlichkeit junge Menschen für die Gefahren des Rechtsextremismus sensibilisieren. Das begründete auch ihr hohes Ansehen weit über die Kreise der KPÖ hinaus.

Von der Republik Österreich erhielt sie 1978 die Befreiungsmedaille, die Stadt Graz machte sie 1995 zu ihrer Bürgerin und das Land Steiermark zeichnete sie im Jahr 1999 mit dem Goldenen Ehrenzeichen aus. Im Jahr 2001 wurde sie auch mit dem Menschenrechtspreis des Landes Steiermark ausgezeichnet.
 

In einem Interview im Jahr 2009 sagte Maria Cäsar: „Ich bin für eine aufgeschlossene Gesellschaft. Ich bin zwar schon so alt, habe das Lernen aber nie aufgegeben. Ich glaube, dass eine bessere Welt möglich ist. Ich glaube, dass die Gerechtigkeit siegen wird.“

Wir sind stolz auf Maria Cäsar, eine Kommunistin, die gezeigt hat, dass es ein ganzes Leben lang möglich ist, für die Sache des gesellschaftlichen Fortschritts einzutreten. Sie hat sich seit ihrer Jugend für Demokratie und Gerechtigkeit eingesetzt und dabei großen Mut bewiesen. Maria Cäsar ist ein Vorbild für alle Kommunistinnen und Kommunisten. Wir verdanken ihr sehr viel und werden in ihrem Sinne weiterarbeiten, auch wenn ihre Lebenserfahrung und ihre Persönlichkeit unersetzbar sind.

Unser Mitgefühl gilt besonders ihren Angehörigen.

Elke Kahr, Obfrau der KPÖ Graz
Claudia Klimt-Weithaler, Landessprecherin KPÖ Steiermark

 

Die Verabschiedung unserer Genossin Maria Cäsar findet am
Donnerstag, 14. September 2017, um 11.00 Uhr,
am Zentralfriedhof vor der Aufbahrungshalle, statt.

Maria Cäsar

Maria Cäsar in der 1950er Jahren

Maria Cäsar

Maria Cäsar, 1977

Maria Cäsar

Maria Cäsar als Zeitzeugin in der Schule

18. September 2017