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Weinstock bei der Körösistubn erhalten!

KPÖ-Fabisch: „Naturdenkmal darf nicht Profiten zum Opfer fallen“

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Die Körösistubn, entstanden vor mehr als 200 Jahren, ist eine der letzten Zeuginnen des Lebens und der Baukultur eines typischen Grazer Vorstadtviertels. Den Gastgarten der Körösistubn schmückt darüber hinaus ein uralter Weinstock. Seit 2007 darf er amtlich als Naturdenkmal bezeichnet werden.

Der Charakter dieses Viertels ist durch Abbruch und Hochbau schon stark verändert worden, etwa auf dem Areal des Wasserwerks gegenüber. Nun muss auch das Gebäude in der Körösistraße 36 einem Bauprojekt weichen. Es war Heimat für GAK-Fans, den Schachclub Extraherb WS, einen interkulturellen Musikstammtisch und viele Gäste und Bewohner des Viertels. Sie fordern nun zumindest den Erhalt des uralten Weinstocks ein.

Deshalb richtet KPÖ-Gemeinderat Andreas Fabisch in der nächsten Gemeinderatssitzung eine Anfrage an Bürgermeister Nagl. „Das Naturdenkmal darf nicht der Baulobby und ihren Profiten zum Opfer fallen“, so Fabisch.

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„Der alte Weinstock darf bei den Abbruch- und anschließenden Bauarbeiten nicht beschädigt werden“, fordert auch Hanno Wisiak, Bezirksvorsteher-Stellvertreter von Geidorf. Deshalb soll, so der KPÖ-Bezirkspolitiker, die Abtretung des Grundstücks an die Stadt Graz bereits vor dem Abbruch des Hauses erfolgen. Immerhin muss dieser Weinstock laut Bebauungsplan erhalten werden. „Ein effektiver Schutz dieses Weinstocks ist aber nicht gewährleistet, wenn wie üblich rücksichtslos mit großen Baumaschinen rund um das schützenswerte Naturdenkmal gearbeitet wird“, betont Wisiak.

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Anlässlich des letzten Tages, an dem die Körösistubn vor ihrem Abriss geöffnet hatte, trafen sich die Vertreter der SOKO Altstadt mit einigen Bezirks- und Gemeindepolitikern am Samstag beim dortigen Naturdenkmal, dem ältesten Weinstock der Steiermark, der sich im Gastgarten befindet.

Dipl. Dolm. Peter Laukart sprach von einem „Schlechtachten“, das die ASVK im Jahr 2006 für den Bebauungsplan ausgestellt hatte. Es führte schlussendlich zum Aus dieser alten Biedermeier-Vorstadthäuser. „Wenn ursprünglich schützenswerte Bausubstanz plötzlich zum Fremdkörper degradiert wird, weil die Bausünden der letzten Jahrzehnte nunmehr das Gebiet prägen, kann wirklich nicht von einem „Gut“-achten gesprochen werden“, meinte der Sprecher der SOKO Altstadt. Weiters beklagte er, dass die Epoche des 18. Jahrhunderts bis ins 19. Jahrhundert in Graz in Bezug auf Gebäude de facto keinen Schutz genießt. Der Altstadtschutz braucht dringend einen neuen Ansatz: Lücken in den Schutzzonen müssen geschlossen werden und Einzelausweisungen für verbleibende „Bauten mit Charakter“ müssen möglich sein.

„Dem steigenden Druck der Baulobby muss endlich eine größere Sensibilität für den Altstadtschutz entgegengestellt werden“, schließt Fabisch, „das beginnt schon bei der Bebauungsdichte, die von der Stadtplanung immer wieder nach oben korrigiert wird, sodass eine Zerstörung historischer Bausubstanz leichter möglich ist.“

30. April 2014