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Zeugnis für Leid der Zivilbevölkerung

Hinweis auf Luftschutzraum im geschichtlichen Kontext

Ein im Laufe der Jahre verkommenes historisches Kleinod, das an schwere Zeiten der Grazer Geschichte gemahnt, wurde wieder sichtbar gemacht und soll Vorbeikommenden Anlass zum Gedenken an die damaligen Ereignisse geben: ein auf einer Hausmauer angebrachter Hinweisschriftzug „L.S.R.“ (für „Luftschutzraum“), der während der insgesamt 56 Bombenangriffe auf Graz im Zweiten Weltkrieg Schutzsuchenden den Weg zum nächstgelegenen unterirdischen Zufluchtsort wies.

Die zuletzt fast unlesbare Aufschrift war im Zuge der umfassenden Renovierung des städtischen Wohnhauses Triester Straße 66 entdeckt und auf gemeinsame Initiative der Ressorts für Kultur- und für Wohnungsangelegenheiten in fachkundiger Arbeit unter Beiziehung von Experten wiederhergestellt worden. Der Grazer Historiker Univ.-Prof. Dr. Helmut Konrad verfasste den Text für eine Erläuterungstafel, die den Schriftzug in seinen geschichtlichen Kontext einbettet und die am Dienstag aus Anlass der Fertigstellung der Sanierung am Haus angebracht wurde. Kulturstadtrat Edmund Müller, Wohnungsstadträtin Elke Kahr und Prof. Konrad gedachten dabei auch der 1.980 Grazerinnen und Grazern, die bei den Luftangriffen ums Leben gekommen waren. Durch die rund 28.000 von den Aliierten über Graz abgeworfenen Bomben waren außerdem mehr als 2.000 Menschen verletzt, 7.800 Gebäude zerstört und 20.000 Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen worden. Der größte Grazer Luftschutzraum war jener im Schlossbergstollen, darüber hinaus wurden auch in den Kellern zahlreicher größerer Wohnhäusern und Siedlungen Zufluchtsräume angelegt. Die Aufschrift „L.S.R.“ sollte nicht nur den Schutzsuchenden helfen, sondern außerdem nach erfolgten Angriffen den Suchtrupps die Bergung der Opfer aus den Trümmern der Häuser erleichtern.

Stadtrat Müller: „Die Sichtbarmachung dieses historischen Hinweises, genau 70 Jahre nach den ersten Bombenabwürfen auf die Steiermark, ist ein wertvoller Beitrag zur Erinnerungskultur und gleichzeitig ein Mahnmal, damit sich solch schreckliche Ereignisse nie wiederholen.“ Und Stadträtin Kahr ergänzt: „Es freut mich, dass es in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt gelungen ist, auf einem unfassend sanierten Wohnhaus der Stadt Graz ein historisches Zeugnis zu erhalten, das uns daran erinnern soll, wie sehr die Grazer Zivilbevölkerung unter einem schrecklichen Regime zu leiden hatte.“

27. Oktober 2011