20.000 gerodete Bäume – warum die Ersatzpflanzungen nicht reichen.

„Nicht die Anzahl der geschlägerten Bäume sollte für Ersatzpflanzungen ausschlaggebend sein, sondern deren Holzmasse!", fordert KPÖ-Naturschutzsprecherin Christine Braunersreuther

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Wo sind die Bäume hin...? Tristes Bild entlang der einst in saftiges Grün eingebetteten Mur. (c) Sigrid Schönfelder.

  • 16.000 gefällte Bäume durch das Murkraftwerk,
  • Rodung von 3.600 Bäumen, wenn die Plabutsch-Seilbahn kommen sollte,
  • 840 vernichtete Bäume für den Zentralen Speicherkanal,
  • 235 gerodete Bäume für die Augartenbucht.

Das sind in Summe 20.000 Bäume im Stadtgebiet! Dazu kommen nochmals 20.000 Bäume, die die Stadt Graz am Plabutsch mit einem dubiosen Deal aus ihrem Besitz gegeben hat.

Und wie sieht es bisher mit den Ersatzpflanzungen aus?

„Die Ersatzbäumchen für die gefällten Bäume, welche für die Großbau-Investoren-Projekte Murkraftwerk und ZSK ihr Leben lassen mussten, befinden sich zu einem Großteil außerhalb des Grazer Stadtgebietes – nämlich in Rudersdorf, Fernitz und Werndorf. Wie sollen Bäume in 15 km Entfernung direkte positive Effekte für die Grazer Bevölkerung haben?“, stellt sich KPÖ-Naturschutzsprecherin Christine Braunersreuther die Frage. „Ein Stadtbaum kann nur direkt in der Stadt Menschen Schatten spenden, die Temperaturen im direkten Umfeld senken, Feinstaub filtern und uns mit frischer Luft versorgen.“

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Die meisten nachgepflanzten Bäume befinden sich nicht im Grazer Stadtgebiet. (c) Sigrid Schönfelder

Holzmasse soll ausschlaggebend für die Nachpflanzungen sein!

Außerdem ist ein Baum nicht ein Baum. Wurde bei den Rodungsstatistiken von Seiten der EStAG nur Bäume gezählt, die einen Stammumfang von 15 cm überschreiten, sieht die Handhabe bei der Nachbepflanzung ein wenig anders aus. „Wenn der Kraftwerks-Betreiber verspricht, alle gerodeten Bäume im Verhältnis 1:1 oder 2:3 nachzupflanzen, hört sich das im ersten Moment viel an. Doch das entspricht bei weiten nicht einer realistischen Kompensation für den herben Verlust an Grünem in unserer Stadt“, so Braunersreuther, die sich hier zukünftig eine andere Verordnung für Ersatzpflanzungen wünscht: „In anderen Städten wird das Ausmaß der Ersatzpflanzungen nach der Holzmasse der gefällten Bäume berechnet. Wer einen großen Baum fällen lässt, kommt nicht mit zwei kleinen Baumstengeln, für die sich die schwarz-blauen Stadtregierer rühmen, davon.Laut Dr. Johannes Gepp (Naturschutzbund) wären für 20.000 gerodete große Bäume fast eine Million neugepflanzte Bäume nötig, da nur 3% aller Jungbäume richtig groß werden.

Lubomir Surnev, KPÖ-Bezirksrat, des von den Schlägerungen im Augarten stark betroffenen Jakomini, hat sich die Ersatzpflanzungen außerhalb der Stadt, vor Ort in Rudersdorf angesehen (siehe Foto): „Es ist geradezu absurd, was hier passiert“, meint Surnev: „Die Bäume sind so klein und dicht gepflanzt. Aus den meisten wird nie ein großer Baum werden, vorallem wenn man nicht aktiv dafür Sorge trägt und pflegt.“

9. August 2019